Hund + Katz

Der (Ein)Kratzer

25.09.2016, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Nach mehr als einem Dutzend Jahren war es soweit: Die Wohnzimmercouch hatte ihr Bestes hinter sich. Man sah ihr die wechselseitige Dauernutzung durch drei Menschen und vier Haustiere im Laufe der Jahre an. Keine noch so gründliche Reinigung verhalf dem guten Stück noch zu einem passablen Aussehen. Was um so schlimmer wog als gerade der Fußboden erneuert worden war. Der altersbedingte Verschleiß des Sitz- (und Liege-)möbels sprang geradezu ins Auge. Etwas Neues musste her.

Zwei potenzielle Zerstörer
Seit einigen Wochen steht nun eine Lederecke dort, wo früher das alte Sofa zum Lümmeln einlud. Schick, neu und auch nicht ganz so billig. „Da dürfen aber die Tiere nicht mehr drauf“, hatten wir uns schon vor der Lieferung geschworen. Denn Leder ist zwar relativ leicht zu pflegen, aber weder katzen- noch hunderesistent. Wir haben beides – Hund und Katze, potenzielle Zerstörer im Doppelpack. Also: Nix da mit gemütlichem Flegeln auf den weichen Polstern, Couch-Potatoes dürfen nur noch wir Menschen sein!
Doch leider hatten wir die Rechnung ohne unseren Kater gemacht. Während bei Hündchen Rudi ein einmaliges barsches „Runter!“ reichte, um ihn für immer auf den Teppich zu schicken und daran zu erinnern, wo er in der Rangordnung steht, schlich Winnie unablässig um die Neuerwerbung herum. Um sich dann, kaum lag einer von uns drauf, auf dem menschlichen Bauch zu platzieren. Ach, tut das gut – wir können ja bekanntlich mit einem lebendigen Wärmekissen besonders effektiv entspannen. Wozu hält man sich sonst Katzen? Na ja, der Kater liegt ja nicht wirklich auf der Couch, haben wir gesagt.

Ach, er tut ja nichts…
Einige Tage später trat sich Winnie dann auf den Kissen in der Ecke eine gemütliche Mulde, immer noch ohne das eigentliche Möbel zu berühren. Hmm, na ja, eigentlich… Ach, er tut ja nichts…

Menschen sind korrupt
Mittlerweile hat der Kater die ganze Couch erobert, lang ausgestreckt liegt er nun des Öfteren in ihrer Mitte und schnurrt zufrieden. Wir seufzen bloß und lassen ihn dann gewähren. Schließlich lässt er ja die Krallen stecken, beruhigen wir uns. Und Winnie? Manchmal scheint es so, als blinzelt er spöttisch zum folgsamen Hund auf dem Fußboden hinunter: Siehst Du, so wird’s gemacht. Man muss sich nur richtig einkratzen. Schließlich sind Menschen korrupt. Ein wenig schnurren und um die Beine streichen – und schon gehen Katzenträume in Erfüllung. Zu dumm: Ein Hund lernt das nie.

 

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