30 Jahre war Hans Weise bei der Kripo – er hat darüber geschrieben

Der alte Kommissar und seine Fälle

07.03.2018, Steffi Bey

Foto: Steffi Bey

Hellersdorf. Obwohl Hans Weise seit 27 Jahren Rentner ist, erinnert er sich täglich an seine einstige Arbeit. Dabei denkt er nicht einfach nur an die Zeit im Streifenwagen, als Abschnittsbevollmächtigter (ABV) oder später als stellvertretender Chef der Kriminalpolizei in Lichtenberg sowie in Pankow. Weise taucht stattdessen tief in die längst vergangene Zeit ein. Der 80-Jährige sichtet alte Notizen, liest Originalmaterial aus seiner mehr als 30-jährigen Dienstzeit bei der Kriminalpolizei der DDR und kramt in aufgehobenen Zeitungsauschnitten. Mitunter blättert er stundenlang in dem alten Material. Manchmal wühlt ihn dieser unmittelbare Kontakt mit der Vergangenheit ganz schön auf.

“Tagebuch eines DDR-Kriminalisten”

Doch Hans Weise kann es nicht lassen. Er macht weiter. Er sucht ständig nach neuen Geschichten aus der alten Zeit. „Viele Ereignisse sind bis zum heutigen Tag fest in meinem Gedächtnis eingebrannt“, sagt der Kriminalrat a. D. Dazu gehören kuriose Fälle aber auch grauenhafte. So wie der Säuglingsmord, begangen in Berlin-Buch, brutal ausgeführt von einem jungen Erwachsenen, der immer noch in einer geschlossenen Anstalt sitzt. Einige seiner Erinnerungen hat der sympathische Senior inzwischen in vier Büchern verewigt, die er seit 2014 herausbrachte. Mit dem „Tagebuch eines DDR-Kriminalisten“ begann er, Begebenheiten und Fälle aus seinem Berufsleben öffentlich zu machen.

Wahre Geschichten, erfundene Namen

„Es steht nichts Fiktives darin, sondern alle Fälle sind authentisch“, betont der agile Rentner, der seit der Wende in Hellersdorf lebt. Die Namen der Hauptpersonen veränderte er allerdings. Weise stellt aber keineswegs „Mord und Totschlag in den Mittelpunkt“, sondern einfache Sachverhalte. Mal wird ein schwarzer Panther aus seinem Raubtierkäfig befreit, mal beschäftigt ein Zimmerbrand mit Spätfolgen die Kripo oder ein eingeschlafener Dieb bringt den Kommissar schnell an die Lösung des Falls.
Hans Weise beschreibt die Polizeiarbeit an der Basis in seinen kurzweiligen Geschichten und tragikomischen Erlebnissen wirklich interessant. Das bestätigen ihm auch immer wieder die Zuhörer während seiner Lesungen, die er vor allem in Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg und dem Berliner Umland anbietet.

Lesungen aus unveröffentlichten Geschichten

Ab und zu gibt er auf solchen Veranstaltungen auch Unveröffentlichtes zum Besten. „Dann merke ich, wie die Leute reagieren und kann unter Umständen noch etwas an der Geschichte verändern“, erklärt der Autor. Seine Lebensgefährtin Sabine Sentz, eine gelernten Fotografin, managt gemeinsam mit ihm solche Auftritte und projiziert beispielsweise Fotomaterial an die Wand. Daheim werten beide zusammen jede Lesung aus.

Bald geht’s auf die Dörfer

Demnächst will Hans Weise sein fünftes Buch unter dem Titel „Der Kommissar und seine Dörfer“ herausbringen. Darin dreht sich alles um Erlebnisse seiner beruflichen Stationen in Biesdorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf, Marzahn und Hellersdorf. Zudem träumt der Kriminalrat a.D. davon, noch ein Buch mit weniger Geschichten, dafür aber tiefgründiger beschrieben, zu veröffentlichen.

 

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