Hund + Katz

Das große Los

21.05.2017, Birgitt Eltzel

Zeichnung: Birgitt Eltzel

Wer hat es eigentlich besser, Hund oder Katz? Ein fiktives Gespräch mit den Experten Rudi (Terriermischling aus dem Tierheim Berlin, Rüde, in Berlin-Wedding als Welpe ausgesetzt) und Winnie (Devon Rex, Kater, mit litauischen und deutschen Wurzeln, geboren in Berlin-Tiergarten). Beide leben jetzt in Berlin-Biesdorf.

Die Menschen wollen immer schmusen

Er könne nicht meckern, befindet Rudi, er habe es wahrlich nicht schlecht getroffen. „Bei netten Stadtmenschen, die zu Hause arbeiten oder einen ins Büro mitnehmen können, das ist schon das große Los.“ Wenn er so an die bemitleidenswerten Artgenossen denke, die Schafe hüten, das Haus bewachen oder nach Drogen schnüffeln müssten – Arbeit, nein danke. Sein Fressen bekomme er auch, ohne sich abzumühen. Zweimal am Tag ausgewogene Kost, manchmal sogar Bio. Hmm, extra weich gekochte Möhrchen. Leckere Häppchen gibt’s zwischendurch, Herrchen und Frauchen könnten seinem flehenden Blick einfach nicht wiederstehen. „Als Stadthund hast Du es gut, die richtige Familie vorausgesetzt.“ Habe bei ihm zwar erst im zweiten Anlauf geklappt, aber immerhin. Jetzt müsse er nichts weiter machen als Gassi-Runden zu drehen, im Garten zu toben oder auf dem Hundeplatz üben. Und natürlich immer mal wieder ein Gesundheitsschläfchen einlegen, gern auf dem neuen Sofa, das eigentlich als tierfreie Zone gilt. Glücklicherweise übertreibe es die Familie nicht mit der Konsequenz. Hauptsache, er zeige, dass er diese ganz doll gern habe: „Ein bisschen schmusen mit den Menschen muss schon sein, selbst wenn sie einem dabei oft unnötig das Fell zerzausen.” Sogar Urlaub gebe es zweimal im Jahr, natürlich mit Hund. „Ich war schon an der Ostsee und einmal sogar am Mittelmeer“, prahlt Rudi ein wenig.

Kein Diener seiner Herren

Das verstimmt seinen Lebenspartner zunächst etwas. Schließlich darf Winnie nicht mit, wenn Rudi verreist. Er hütet dann die Wohnung und wird von den Nachbarn betreut. „Dafür darf ich aber immer ohne Leine laufen, auch außerhalb des Gartens“, hält er Rudi einen seiner großen Pluspunkte vor. Beaufsichtigen tue ihn auch keiner. Blöde Kunststücke müsse er ebenfalls nicht lernen, nicht mal dämlichen Anweisungen wie „Sitz!“ oder „Platz!“ folgen. Ob er so etwas mache, entscheide er ganz nach Lust und Laune, schließlich sei er ja kein Diener seiner Herren. Und wenn die Futterschale mal nicht mit dem Gewünschten gefüllt sei, dann besorge er sich selbst etwas Leckeres: „Ein kleines Mäuschen zergeht so richtig auf der Zunge“, schwärmt er. Und erst ein zartes Vöglein. Aber so etwas müsse er im Geheimen verschmausen. „Da haben die Menschen aus unverständlichen Gründen etwas dagegen.“ Nun aber bringt der Kater seinen größten Trumpf an: „Ich darf sogar mit ins Bett. Und Du als Hund musst unten auf dem Fußboden liegen.“ Was ja auch folgerichtig sei, schließlich fehle Rudi die richtige Einstellung zur Hygiene. „Nicht mal Katzenwäsche macht der, selbst wenn er große Löcher im Garten gebuddelt hat.” Deshalb werde er auch vier Mal im Jahr zum Frisör gebracht: Waschen, Schneiden, Legen.

Die Sache mit der Kühlschranktür

“Ha wau, ha wau”, kommentiert Rudi den letzten Beitrag seines Kumpels. Dann blicken Hund und Kater auf. Frauchen geht in die Küche. Die beiden Experten sind sich in diesem Punkt völlig einig und ein wenig neidisch: Am Allerbesten hat es natürlich, wer die Kühlschranktür selbstständig öffnen kann.

 

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