Willkommen, neue Nachbarn!

Dank für das Engagement

07.12.2015, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn. Sie bauen Betten zusammen, richten Räume her, arbeiten in Kleiderkammern und bei der Essensausgabe, geben Deutschunterricht, spielen mit den Kindern und übernehmen eine Begleitung zu den Ämtern – ohne die ehrenamtlichen Helfer, die sich in ihrer Freizeit für geflüchtete Menschen einsetzen, ginge in Berlin kaum etwas. Auch in Marzahn-Hellersdorf, wo es neben den drei regulären Unterkünften jetzt auch vier Notunterkünfte und vier Turnhallen gibt, in denen kurzfristig Flüchtlinge untergebracht wurden, helfen viele freiwillig und unbezahlt. Am Sonntagabend, 6. Dezember, wurde das Engagement der Ehrenamtlichen gewürdigt. Das Stadtteilzentrum Marzahn-Mitte hatte zu einer Dankeschön-Veranstaltung ins Don-Bosco-Zentrum am Otto-Rosenberg-Ring eingeladen.

Rund 400 Helfer
Im November 2014 hatte das Stadtteilzentrum Marzahn-Mitte den Auftrag bekommen, Aktivitäten für die bevorstehende Eröffnung einer Notunterkunft für Flüchtlinge am Blumberger Damm/Landsberger Allee zu bündeln, erinnerte sich die Leiterin, Dr. Renate Schilling. Der Standort war umstritten, es gab von Neonazis organisierte Demonstrationen. Das Stadtteilzentrum führte Anwohnersprechstunden durch, informierte über das Wie und Warum. Und es organisierte Hilfe, bereits im Juni gab es das erste Helfertreffen. Im Juli wurde die Einrichtung, in der jetzt 400 Menschen aus vielen Nationen leben, vor allem aber aus Syrien, eröffnet. „Im August/September stand unser Telefon kaum still, es meldeten sich immer mehr Menschen aus dem Bezirk, die die Flüchtlinge unterstützen wollten“, sagte Renate Schilling. Mehr als 400 Helfer sind es inzwischen geworden. Und die kümmern sich längst nicht mehr nur um die Einrichtung am Blumberger Damm. Denn immer mehr Flüchtlinge kommen, stets überaus kurzfristig wurden Notunterkünfte eingerichtet.

Ehrenamtliche packen zu
Oftmals lagen zwischen der Ankündigung und dem Eintreffen der Menschen nur wenige Stunden. Die Ehrenamtlichen packten zu, häufig bis weit nach Mitternacht. „Unsere Kraft und unser Durchhaltevermögen ist trotzdem ungebrochen“, sagte Schilling. Sie bemerkte auch, dass „wir die Obrigkeit“, sprich den Senat, „für ihr Nichthandeln oft kritisiert haben“. Das gelte aber nicht für den Bezirk, so Schilling. Denn Sozialstadträtin Dagmar Pohle und Jugendstadträtin Juliane Witt (beide Linke) seien bei fast jedem dieser Hauruck-Einsätze dabei gewesen, auch Bürgermeister Stefan Komoß (SPD) habe mit Hand angelegt.

Wertschätzung zeigen
Sie ärgere sich über die Zuständigen auf Landesebene, die das schlechte Flüchtlingsmanagement zu verantworten haben, erklärte Dagmar Pohle. Deren Versagen werde durch die Ehrenamtlichen aufgefangen. „Deshalb ist es angemessen, Ihnen Danke mit einer solchen Veranstaltung zu sagen, unsere Wertschätzung für das Geleistete zu zeigen.“ Pohle sagte, sie habe sich oft gefragt: „Was würdest Du eigentlich tun, wenn Du in Deutschland so eine Situation hättest wie die Flüchtlinge in ihren Herkunftsländern?“ Wenn man sich diese Frage stelle, sei es nicht so schwer, abends nach der Arbeit loszugehen und zu helfen – und damit Mitmenschlichkeit und solidarisches Verhalten zu leben. Die Stadträtin appellierte: „Bitte nutzen Sie die Gelegenheit, mit ihren Nachbarn, Ihren Kollegen und Freunden über Ihre Erfahrungen zu sprechen.“

Kirchengemeinden sind dabei
Unter den Ehrenamtlichen sind auch viele Mitglieder von Kirchengemeinden aus Marzahn – die Kirche 43, die Baptistengemeinde Schönagelstraße, die Katholische Kirche Zur Verklärung des Herrn sowie die Evangelische Kirche Alt-Marzahn und die Evangelische Kirche Marzahn-Nord. Auch Pfarrer im Ruhestand wie Ernst-Gottfried Buntrock (für das Ökumenische Forum) und Wolfram Hülsemann engagieren sich in der Flüchtlingshilfe. Und auch das Don-Bosco-Zentrum, eine katholische Einrichtung, ist dabei.

Nikolaus gibt den Bedürftigen
Am Abend der Dankeschön-Veranstaltung gab es nicht nur gespendeten Sekt aus der Pfalz von Pfarrer Hülsemann und Essen vom Don-Bosco-Zentrum, sondern auch einen kleinen Sketch von Pater Albert (Don-Bosco-Zentrum und Katholische Kirche zur Verklärung des Hernn) und dem Politikwissenschaftler Alexander Schilling. Letzter erschien im Ornat als der Heilige Nikolaus (passend zum Tag), der Pater war Knecht Ruprecht, der zu Weihnachten erscheint. Während der Nikolaus all seine Geschenke schnell los wurde, weil er sie wirklich Bedürftigen wie geflüchteten und armen Menschen gibt, die gern auch saubere, gebrauchte Sachen nehmen, blieb Knecht Ruprechts Geschenkesack prall gefüllt – Sachen wie das Kleid von seiner Frau wollte keiner der Wohlhabenderen.

Taschenwörterbücher als Geschenk
Und dann bekamen auch die Ehrenamtlichen kleine Gaben: den Heiligen St. Nikolaus in Schokolade und Taschenwörterbücher Arabisch-Deutsch/Deutsch-Arabisch sowie Persisch-Deutsch/Deutsch-Persisch, in denen viele gleich eifrig blätterten.

Es soll nicht die einzige Veranstaltung dieser Art bleiben – am 21. Dezember lädt das Stadtteilzentrum Marzahn-Mitte erneut freiwillige Helfer ein, um ihnen Danke zu sagen, diesmal in den eigenen Räumen in der Marzahner Promenade 38.

Die Artikelserie „Willkommen, neue Nachbarn!“ ist ein Gemeinschaftsprojekt von LiMa+ mit der FreiwilligenAgentur Marzahn-Hellersdorf, gefördert im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

 

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