Hund + Katz

„Da hast du einen!“

10.12.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Bei etlichen meiner Freunde im Hundeverein geht der Trend zum Zweithund. Immerhin sind Hunde ja Rudeltiere und sie sollen sich nicht langweilen, wenn sie allein sind. Und überhaupt: Das Leben macht mit einem guten Kumpel schließlich viel mehr Spaß. Auf was für Dummheiten man so gemeinsam kommen kann. Herrchen und Frauchen sind immer wieder erstaunt, wie viel Fantasie die Vierbeiner entwickeln können…

Willst Du spielen – oder nicht?

Unser Terriermix Rudi braucht allerdings keinen zweiten Hund neben sich. Er hat ja schon eine Katze, genauer gesagt: Kater Winnie. Der ist blond, ein wenig mehr gerundet als die Tierärztin gut findet und sehr sanft. Außer in den Abendstunden. Denn dann geht es bei den beiden zur Sache. Nachdem sich Winnie tagsüber mehrere Mützen Schlaf geholt hat, ist er putzmunter. Es braucht nicht viel, um Rudi, der das immer könnte, zum Spielen zu bewegen. Winnie legt sich auf den Teppich, Bauch nach oben, schnurrt und knurrt. Rudi lässt sich vorsichtig vor ihm nieder, Hintern in die Höhe gereckt. Was ist los, willst Du jetzt spielen oder nicht? Er nähert sich schwanzwedelnd, zupft den Kater zärtlich an einer Pfote, kneift in seinen Schwanz. Der tut nur so als wolle er den Hund abwehren, dreht sich herausfordernd langsam mal nach links, mal nach rechts. Wegrennen? Wozu? Rudi wird mutiger, nimmt mal den Katerbauch ins Maul, mal den Kopf. Bis er Krallen zu spüren bekommt. Auuutsch, der macht ja Ernst!

Wilde Jagd über die Couch

Kurze Rückzugspause, dann nähert er sich dem Kater wieder: „Da hast Du einen!“. Er kneift ein wenig heftiger ins üppige Hinterteil. Winnie kreischt, springt auf, versetzt dem Spielgefährten einen Hieb – und rennt im Affenzahn über die Couch. Rudi hinterher, ohne nach rechts oder links zu gucken. Blöd bloß, dass da schon jemand sitzt. Herrchen und Frauchen haben es sich dort bequem gemacht, um nach der Tagesarbeit etwas vor der Glotze abzuschalten. Die wilde Jagd unterbricht den Fernsehgenuss. Leider geht auch noch ein Glas zu Bruch, fallen Erdnussflips zu Boden.

Schmackhafte Rache

Ehe Rudi aber begeistert darüber herfallen kann, treten die Erziehungsberechtigten in Aktion: „Raauuusss!“ Hund und Katze müssen in den Korridor, „sofort!“. Störung der Ruhe – schuldig im Sinne der Anklage werden beide befunden, ganz egal wer eigentlich angefangen hat. Der Hund leckt dem Kater übers Fell: „Die sind ja soo gemeeiiin, wir haben doch bloß Spaß gemacht.“ Auch Winnie tröstet seinen Spielkameraden. Er hat die offen auf dem Regal stehende Leckerli-Tüte entdeckt und wirft sie auf den Fußboden. Einträchtiges Schmatzen ist zu hören. Bis wir das mitkriegen, ist fast die gesamte Ration verspeist. Unsere Ansage: „Dafür gibt’s heute kein Abendbrot“!, lässt die Tiere kalt. Sie hatten ihre Rache. Die war zwar nicht süß, aber dennoch ausgesprochen schmackhaft.

 

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