Afrikanischer Wels und Maracuja

Crowdfunding für die Stadtfarm

24.01.2018, Angelika Giorgis

Fotos: Julia Schmidt

Lichtenberg. Europas größte gläserne Stadtfarm der TopFarmers GmbH an der Allee der Kosmonauten 16, direkt am Landschaftspark Herzberge gelegen, baut seit Anfang 2017 pro Jahr 30 Tonnen Salat, Kräuter, Tomaten und Gurken, aber auch Bananen, Ceylonspinat oder Maracuja an. 50 Tonnen Afrikanischen Wels jährlich sollen ab 2018 hinzukommen.

Geschlossener Kreislauf

Das Prinzip ist so einfach wie genial: Alles wird in einem geschlossenen Kreislauf produziert. Fische schwimmen im 28 Grad warmen Wasser. Ihre Ausscheidungen werden über mechanische Filter geleitet, um die Schwebstoffe zu entfernen. Bakterien wandeln das im Wasser gelöste Ammonium zu Nitrit und dann Nitrat um. Das Wasser fließt dann durch Becken mit Erde. Regenwürmer leisten einen entscheidenden Beitrag zur Bodensanierung. Deren Ausscheidungen sind eine Art natürliche Medizin für Fische und Pflanzen, denn die Enzyme vernichten Giftstoffe. Das von ihnen produzierte Kalziumkarbonat wirkt der Übersäuerung des Bodens entgegen. Die Nährstoffe werden in der Erde abgesetzt und von den Pflanzen aufgenommen. Das gereinigte Wasser fließt zurück zu den Fischen. Durch diese Methode werden gegenüber konventionellen Erzeugnissen 80 Prozent Wasser und Fläche sowie 85 Prozent des Kohlendioxid-Ausstoßes eingespart.

Welse im Zuchtbecken

Noch sind die Welse im Zuchtbecken und wachsen. Aber bald soll es mit deren Verkauf losgehen. Für das Gemüse und Obst, daraus produzierte Säfte und Suppen oder fertige Salate gibt es bereits Abnehmer. (Suppen und Soßen kosten 2,99 Euro, Gurken pro Tüte 1 Euro und Cocktailtomaten pro Tüte 2,50 Euro.) Einwohner aus der Umgebung holen sich die saisonal und lokal produzierten Salate und Früchte direkt im Landschaftspark Herzberge ab. Das Besucherzentrum in einem der Gewächshäuser hat wochentags von 9 bis 16 Uhr geöffnet.

Lieferung per Fahrrad oder Auto

„Wer im Umkreis von fünf Kilometern bestellt, wird mit dem Fahrrad innerhalb von 45 Minuten beliefert. Größere Mengen gehen auch mit dem Auto berlinweit an Geschäfte und Gastronomiebetriebe, denn die nehmen größere Mengen ab. Zum Beispiel der Fischladen in der Arminiusmarkthalle in Tiergarten, die Stadtküche in Marzahn, ein nachhaltiges Catering mit regionalen Produkten, oder die Buchkantine, eine Kombination aus Bistro mit Buchhandlung in Mitte“, berichtet die Betriebswirtin Anne-Kathrin Kuhlemann, die das Unternehmen mit gegründet hat.

Konzept überzeugt Anleger

Zehn Leute sind bereits festangestellt. Es sind nicht nur Gärtner, sondern auch Verantwortliche fürs Marketing und ein Koch. Zu den Gesellschaftern gehören keine Gärtner, aber unter anderem Banker, Techniker, Ingenieure, Anlagenbauer, ein Juraprofessor. Sie alle sind von diesem Konzept überzeugt. Dennoch: Selbst wenn es zehn solcher Anlagen à 2.500 Quadratmeter gäbe, würden man damit gerade einmal 0,1 (Promill) des Bedarfs  der Stadt Berlin an tierischen Erzeugnissen und Obst/Gemüse abdecken. Aber die Nachfrage ist da und die Crowdfunding-Kampagne lief sehr erfolgreich an. Bereits fünf Stunden nach dem Start wurde die Crowdfunding-Schwelle von 50.000 Euro erreicht. Nach gut 20 Stunden überschritt das TopFarmers-Team die 100.000-Euro-Marke.  Damit waren bereits mehr als ein Drittel des ersten Ziels von 300.000 Euro erreicht.  Die Crowdfundingsumme steigt pro Tag um 20.000 bis 50.000 Euro. Dieses Geld zahlen 20 bis 50 Investoren ein. Im Durchschnitt kommen ca. 1.200 Euro  von einem Investor. „Uns war klar, dass wir mit unserer nachhaltigen Produktion von naturbelassenen Lebensmitteln einen Megatrend in der Gesellschaft ansprechen, doch die enorme Geschwindigkeit der Kampagne verblüfft selbst uns“, sagt Geschäftsführer Frank Lewitz.

Noch im Januar werden die regelmäßigen Führungen (alle zwei Wochen) in  der Stadtfarm wieder aufgenommen. Am Sonnabend, 27. Januar, von 11 bis 12 Uhr startet die erste Tour des Jahres. Um Anmeldung unter fuehrungen@topfarmers.de wird gebeten.

 

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