Gutachten zeigt: Reparatur der Achard-Schule möglich

Bürgermeister bleibt bei Abriss

06.01.2016, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn-Hellersdorf. Obwohl bereits exakt 5.026 gesammelte Unterschriften gegen den Abriss der maroden Franz-Carl-Achard-Grundschule in Kaulsdorf dem Bezirksparlament für einen Einwohnerantrag übergeben wurden, will Bürgermeister Stefan Komoß (SPD) bei seinen Plänen (LiMa+ berichtete) bleiben. Auf eine entsprechende Anfrage von LiMa+ antwortete er: „Das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf hat mit der Variante eines Abrisses und sehr schneller Errichtung eines modularen Schulgebäudes eine gute Lösung in kurzer Zeit erarbeitet und Dank der Kooperationsbereitschaft des Landes Berlin für 2016/17 eine Finanzierung erreicht… Es gibt keine andere Variante, die in für die Schüler akzeptablen Zeiträumen eine Beschulung an dem Standort möglich machen würde. Jede der anderen untersuchten Lösungen würde mindestens sechs Jahre keine Schule an dem bisherigen Standort bedeuten.“

Vor-Ort-Termin mit Heimatverein
Dabei existiert seit Mitte Dezember ein (uns ebenfalls vorliegender) Prüfbericht des Statikers Ulrich Leppin. Aus diesem geht hervor, dass mit relativ geringem Aufwand die Statik beeinträchtigende Schäden durch Hausschwammbefall zu beseitigen wären. Bei einem Vor-Ort-Termin mit dem Heimatverein Marzahn-Hellersdorf am Dienstag, 5. Januar, war das ebenfalls erläutert worden. Der für Immobilien zuständige Stadtrat Stephan Richter (SPD) sagte, dass dabei anwesende Vertreter von Baufirmen die Kosten geringer als jene für den Abriss (etwa 800.000 Euro) schätzten. Allerdings würde bei einer solchen Reparatur nur der Zustand vom Juli 2015 hergestellt, so Richter. Das Problem der notwendigen Grundsanierung des mehr als 100 Jahre alten Schulgebäudes an der Adolfstraße bleibe auch dann bestehen. Diese war für 2019 geplant. Der Hauptausschuss habe die dafür vorgesehenen Mittel aber ins Jahr 2016 vorgetragen, für die Finanzierung des anstelle des alten Gebäudes geplanten Modularen Ergänzungsbaus (MEB). „Eine Verschiebung wieder nach 2019 ist nicht so einfach“, sagte Richter. „Dafür brauchte es eine politische Lösung auf allen Ebenen.“ 2016 kann eine Sanierung nicht stattfinden, weil die Erarbeitung der dafür erforderlichen Maßnahmen mindestens zwei Jahre dauere, sagte Richter.

Zuschlagsfrist endet am 15. Januar
Die Ausschreibung für den Abriss ist laut Richter bereits erfolgt, 17 Firmen beteiligten sich. Die Zuschlagsfrist endet am 15. Januar. Laut Richter wird der Abriss aber erst begonnen, wenn eine schriftliche Genehmigung der Bildungsverwaltung für die Aufstellung eines einzeln stehenden Modularen Ergänzungsbaus auf dem Achard-Gelände vorliegt. Bisher gibt es dazu nur eine mündliche Zusage.

Kritik von Linken, Grünen und Piraten
Politiker der Linken, Piraten und Grünen kritisierten das Vorgehen des Bezirksamtes. „Der bündnisgrüne Kreisverband Marzahn-Hellersdorf fordert das Bezirksamt auf, zeitnah alle Gutachten zum Bauzustand der Franz-Carl-Achard-Grundschule der Öffentlichkeit vorzulegen, um darauf basierend zügig eine Entscheidung in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) mit den Bürgerinnen und Bürgern zum Abriss und Neubau bzw. Sanierung der Schule herbeizuführen“, betonte Fraktionsvorsitzender Nickel von Neumann in einer Pressemitteilung. Der Abgeordnete Wolfgang Brauer (Die Linke), Vorsitzender des Heimatvereins, hat im sozialen Netzwerk Facebook ein Foto von einem schwammbefallenen Balken gepostet, der nach Meinung von Leppin freizulegen und zu verstärken ist. Der Kulturpolitiker, der auch Leiter des Untersuchungsausschusses Staatsoper ist, schrieb dazu: „Köpenick hat seinen Hauptmann, Kaulsdorf hat seinen Balken. Wegen dieses EINEN Stückes Holz soll für mehrere Millionen Euro eine Schule abgerissen und komplett neu aufgebaut werden. Man könnte den Balken natürlich auch sanieren, als Bau-Purist auch auswechseln – aber Abreißen und neu Bauen ist natürlich schöner… Kostet ja nicht das private Geld des Bürgermeisters und des Baustadtrates… Zahlt ja alles das Land. Das steuerzahlende Volk, der dumme Lümmel…“

 

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