Bürgerkomitee: Stasi-Großbild sichern

04.02.2018, Pia Szecki

Lichtenberg. Das Stasi-Großbild „Revolution: Frieden unserem Erdenrund“ soll von den Kulturverwaltungen für das ehemalige Stasi-Gelände gesichert werden, fordert das Bürgerkomitee (Büko) 15. Januar e.V.. Der Wert des Propagandaglasbildes bestehe darin, eines der größten, wenn nicht das größte seiner Art zu sein, das aus DDR-Zeiten erhalten ist. Ein redlicher Verkauf durch die Deutsche Bahn AG bzw. Erwerb durch Kunstspekulanten sei – laut Büko – bis heute nicht öffentlich nachvollziehbar. Die Kulturverwaltungen des Bundes und des Landes Berlin sollten verhindern, dass das Kunstwerk erneut außer Landes geschafft wird, den Besitzerwechsel prüfen lassen – und es denkmalpflegerisch, kunstrechtlich für das ehemalige Stasi-Gelände in Lichtenberg sichern, wo sich heute das Stasi-Museum und andere Ausstellungen befinden.  Es kann – so das Büko – “nicht angehen, dass auf dem ehemaligen Stasi-Gelände immer wieder Erhaltenswertes verschwindet oder wegsaniert wird, um dann mit Millionenaufwand die Welt des MfS museal zu rekosntruieren.

Hintergrund: Das Bild war von Stasi-Chef Erich Mielke für einen Gebäudekomplex in Auftrag gegeben worden, der Anfang der 1980er Jahre fertig gestellt wurde. Der DDR-Künstler Richard Otfried Wilhelm hatte zuvor schon ein Glasgroßbild im “Palast der Republik” erarbeitet. Das 20 Meter lange und tonnenschwere „Revolution: Frieden unserem Erdenrund“ symbolisiert, wie Lenin und die bolschewistisch-kommunistische Revolution mit den “bewaffneten Organen” den Frieden in die Welt bringt. Derart ideologisiert gingen täglich hunderte von MfS-Mitarbeitern an dem Bild vorbei: zu Versammlungen, in die Kantine oder zum Einkaufen in dem Komplex, der für die Öffentlichkeit nicht zugänglich war. Das Mehrzweckgebäude, das sog. Haus 18, wurde international bekannt, weil es nach der Besetzung der Stasi-Zentrale am 15. Januar 1990 von Demonstranten gestürmt wurde.

Nach Recherchen der „Zeit“ (Ausgabe Ost vom 1.2. 2018) – so das Büko – hätte das Bild in den 1990er Jahren, als das Gebäude der Deutschen Bahn AG gehörte, den Besitzer gewechselt. Ein Vertrag soll bis heute weder von der Deutschen Bahn AG, noch vom jetzigen Besitzer vorgelegt worden sein. Der jetzige Besitzer, ein Kunsthändler, habe das monumentale Bild nach Miami/Florida geschafft, um es für einen Millionenbetrag auf einer Kunstmesse zu verkaufen. Da dies nicht gelang, wurde das Bild jetzt in Berlin wieder eingelagert und soll angeblich ins Ausland verkauft werden. Die Berliner Kunstverwaltung hatte auf Anfrage des Bürgerkomitees 15. Januar e.V. geantwortet, dass sie aus rechtlichen Gründen nichts unternehmen könne, wenn sich das Bild im Ausland befände. Das Bürgerkomitee hatte anlässlich der Veröffentlichung staatliches Engagement in dieser Sache gefordert.

 

 

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