Was sind das nur für Menschen, die so etwas tun?

Brutaler Angriff auf Jungschwäne

12.08.2016, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel. Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Biesdorf. Viele der Spaziergänger wissen am Freitagmorgen, 12. August, noch gar nicht, welches hässliche Drama sich am Biesdorfer Baggersee am vorangegangenen Montagabend abgespielt hat. Eine Passantin wundert sich nur: Die Schwaneltern hatten immer fünf Kinder“, sagt sie. „Jetzt sind es nur noch drei.“ Wie die Tierärztliche Klinik für Klein- und Heimtiere Berlin-Biesdorf am frühen Freitagmorgen über ihre Facebookseite verbreitet hatte, wurden am Abend des 8. August Jugendliche dabei beobachtet, wie sie mit Knüppeln auf die Schwäne einschlugen. Die beiden Schwaneneltern mussten hilflos zusehen, wie ihre Nachkommen schwerstens verletzt wurden. Einen der Jungschwäne lieferten beherzte Passanten sofort in die unweit entfernte und rund um die Uhr geöffnete Tierklinik an der B1/B5, Alt Biesdorf 22, ein. Die Tierärzte im Bereitschaftsdienst diagnostizierten mit Bestürzung, dass das Tier einen zertrümmerten Schädel hatte. Sie mussten es mit einer Todesspritze sofort von seinem Leiden befreien.

Zwei Tiere mussten eingeschläfert werden
Am Dienstag, 9. August, wurde ein zweites Jungtier in die Klinik gebracht, ebenfalls schwer verletzt und bereits stark geschwächt. Es hatte sich – aller Wahrscheinlichkeit nach – am Tatabend mit letzter Kraft vor weiteren brutalen Angriffen in den See retten können. Zunächst gelang es den Veterinären seinen Zustand durch Medikamente zu verbessern. Dann ging es dem Tier jedoch zusehends schlechter und es konnte seine Beine nicht bewegen. Mit Unterstützung von Guido Fritsch vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) untersuchten die Ärzte das Tier mit Hilfe einer Computertomographie und stellten fest, dass es durch eine starke Gewalteinwirkung eine Fraktur der Wirbelsäue erlitten hatte. „Auch dieses Tier musste nach vier Tagen liebevollen Kämpfen um das Überleben des Schwanenkükens schmerzlos eingeschläfert werden“, schreiben Klinikmitarbeiter auf Facebook. Mit ihrem Post wollten sie die Nachbarschaft informieren, um möglichst weitere Übergriffe auf die verbleibenden drei jungen Biesdorfer Schwäne zu verhindern. LiMa+ gegenüber wollten sich Ärzte und Klinikmitarbeiter nicht weiter zu dem Vorfall äußern.

Bitte melden Sie sich!
Leider haben es sowohl die beherzten Passanten am Baggersee als auch die Klinikärzte bisher versäumt, eine Anzeige bei der Polizei zu stellen. „Das ist sehr ärgerlich“, sagt Heidi Voigt von der Pressestelle der Polizei. „Denn so lange uns der Sachverhalt nicht offiziell und glaubwürdig bekannt ist, können wir nicht ermitteln.“ Sie bittet die Ärzte, sich zu melden. Auch Zeugen, die beobachtet haben, wie sich die Straftat zugetragen hat, sollten Kontakt mit der Polizei aufnehmen. „Dazu ist es nicht zwingend erforderlich, persönlich bei uns vorzusprechen“, so Voigt. Es sei zum Beispiel auch möglich, eine Anzeige über das Online-Portal „Internetwache Polizei Berlin“ oder telefonisch über die Rufnummer 110 oder das Bürgertelefon: 030 46 64-46 64 zu stellen.

Zutraulichkeit missbraucht
Beim Landesverband Berlin des Naturschutzbundes NABU heißt es auf Nachfrage von LiMa+, dass Schwäne für gewöhnlich fremde Menschen nicht zu nah an ihren Nachwuchs heranlassen und ihre Jungtiere hartnäckig verteidigen. In diesem Fall gehen die Experten jedoch davon aus, dass sich die Tiere durch das regelmäßige Füttern an die Nähe der Menschen gewöhnt haben und immer zutraulicher wurden. Der oder die Täter hätten diese Zutraulichkeit missbraucht.

 

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