Mieter der Cecilienstraße 182 können noch nicht in ihre Wohnungen

Verheerendes Feuer mit Folgen

05.12.2017, LiMa+ Team

Fotos: Volkmar Eltzel 1, 4-7; Lutz Neumann 2-3. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Biesdorf-Nord. Meterbreite schwarze Rußspuren ziehen sich auf der Fassade des Zehngeschossers Cecilienstraße 182 bis zum Dach. Fassungslos bleiben Passanten immer wieder vor dem stark beschädigten Wohnhaus stehen und schauen nach oben. „Wie konnte das nur passieren?“ „Warum hat sich das Feuer so schnell ausgebreitet?“ „Hoffentlich wurde niemand schwer verletzt“ – ist am Montagmorgen nach dem Brand immer wieder zu hören.


Video: Volkmar Eltzel

Viele Menschen verletzt

Das Feuer war am Sonnabend, 2. Dezember, gegen 12 Uhr in einer Wohnung der dritten Etage ausgebrochen. Der Brand hatte sich laut Angaben der Berliner Feuerwehr wie in einem Kamin schnell über den gesamten Treppenraum bis in das zehnte Obergeschoss und schließlich unter das Dach ausgebreitet (siehe Video). Auch eine weitere Wohnung im 6. Obergeschoss wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Nur dem schnellen Eingreifen der Feuerwehr, die mit rund 200 Einsatzkräften stundenlang im Einsatz war, ist es zu verdanken, dass es keine Toten gab. Zur Sicherstellung des Brandschutzes bei den unversehrt gebliebenen Wohnungen wurden fünf Freiwillige Feuerwehren in Dienst gerufen. Das Haus wurde evakuiert. Insgesamt 20 Personen wurden mittels eingesetzter Fluchthauben (sie bieten Schutz vor Flammen und Rauch) gerettet, weitere über eingesetzte Drehleitern. 19 Personen wurden leicht verletzt, drei weitere schwerer. Auch zwei Feuerwehrleute verletzten sich bei dem Einsatz. Alle wurden in den Rettungswagen vor Ort medizinisch behandelt. Einige Personen mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Etwa 50 Bewohner wurden zunächst in eine durch den Bezirk bereitgestellte Turnhalle als Notunterkunft gebracht. Um 16.18 Uhr hatte die Feuerwehr die Lage unter Kontrolle, war aber noch bis 21 Uhr im Einsatz, um nach weiteren Glutnestern zu sehen.

Ermittlungen wurden aufgenommen

Wann die Bewohner wieder hinein können, ist noch unklar. Marzahn-Hellersdorfs Baustadtrat Johannes Martin (CDU) sagt, dass noch Gutachten über die Sicherheit des Gebäudes erstellt werden müssen, vor allem zur Statik. Voraussichtlich am Dienstag, 5. Dezember, könne laut Martin feststehen, wann die Wohnungen wieder betreten werden können und wann die Sanierung durch den Eigentümer, die Berlin-Brandenburgische Wohnungsgenossenschaft, beginnt. Bereits am Montagmorgen waren Experten der Feuerwehr, der Polizei und der Genossenschaft vor Ort. Die bezirkliche Bauaufsicht prüft die Statik des Hauses.

Das Gesprächsthema im Viertel

Der Großbrand war am Montag das häufigste Gesprächsthema im Viertel zwischen Cecilienstraße und Buckower Ring. Überall standen Bewohner des Kiezes in Grüppchen beieinander und unterhielten sich über den schlimmen Vorfall. Auch etliche Mieter waren in der Hoffnung gekommen, dass sie vielleicht in ihre Wohnungen hinein dürfen. Doch das wurde ihnen aus Sicherheitsgründen von der Polizei und der Feuerwehr verwehrt. Ein betroffener Hausbewohner in der Berufsbekleidung eines Security Mitarbeiters sagte, er sei glücklicherweise bei seiner erwachsenen Tochter untergekommen. Diese hatte ihn am Montagvormittag zu dem Brandhaus begleitet, das mit rotweißen Bändern abgesperrt ist. „Am Schlimmsten ist die Ungewissheit darüber, was wird“, so der Mittfünfziger.

Das Feuer brach in der Küche aus

Wie die Polizei auf Nachfrage mitteilte, schließe man inzwischen eine vorsätzliche Tat aus. Es würden Ermittlungen geführt, ob die Bewohnerin, in deren Unterkunft das Feuer entstand, fahrlässig gehandelt habe oder ob es durch einen technischen Defekt ausgebrochen sei. Erste Ergebnisse zeigten, dass der Brand in der Küche begonnen hatte. Der an die Nummer 182 angrenzende Hausteil ist laut Feuerwehr durch eine Brandwand geschützt und wurde von den Flammen nicht erreicht. Der Plattenbau war 1982 errichtet und im Jahr 1994 modernisiert worden. Die Außenfassade brannte, anders als bei dem Hochhausbrand vom Juni im Londoner Greenfield Tower, nicht.

Schnelle Notmaßnahmen des Bezirks

Zur Unterbringung der Bewohner war durch den Bezirk am Sonnabend rasch eine Turnhalle am Buckower Ring organisiert worden. „Dafür möchten wir uns herzlich bei TuS Hellersdorf bedanken“, sagt Johannes Martin. Von den 50 Bewohnern des Hauses musste allerdings niemand dort übernachten. „Die meisten sind bei Verwandten und Freunden untergekommen“, so der Stadtrat. Lediglich drei Personen hatten eine solche Möglichkeit nicht. Laut Martin wurden sie zunächst in der Notunterkunft Brebacher Weg, wo derzeit geflüchtete Menschen leben, untergebracht. Um ihre weitere Unterbringung – ob in einem Hotel oder ähnlichen Einrichtungen – kümmere sich jetzt das Sozialamt.

Welle der Hilfsbereitschaft

Die betroffenen Mieter haben durch das Feuer ihre Einrichtung und anderen Besitz verloren, manche ihr gesamtes Hab und Gut. Inzwischen gibt es eine Welle der Hilfsbereitschaft. Über das soziale Netzwerk Facebook werden derzeit Spendensammlungen organisiert. Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende im Bezirksparlament, Alexander J. Herrmann, und der in Biesdorf direkt gewählte Abgeordnete Christian Gräff (CDU) kümmern sich. Laut Herrmann gibt es Gespräche mit einigen Betroffenen, diese stellen Kontakte zu weiteren Mietern her. Aktuell sei noch nicht klar, was gebraucht wird, so Herrmann. Zunächst sollten die Bedarfe gesammelt werden, im Laufe der Woche über die Internetgruppe “Wir Hellersdorfer” dann eine konkrete Suchliste gepostet werden. “Das ist der bessere Weg”, sagt er. Mit Bekleidung können sich die Bewohner zunächst in der zentralen Kleiderkammer des Bezirkes an der Bitterfelder Straße 15 eindecken, teilt der Sprecher des Bezirksamts, Frank Petersen, mit.

Brandschutztipps der Berliner Feuerwehr hier…

Wie löscht man brennendes Fett in der Küche?

 

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