Drinnen + Draußen

Bleibt weg mit Euren Schnäppchen!

09.07.2017, Volkmar Eltzel

Illustration: Volkmar Eltzel

Am Stadtrand hat ein neuer Möbelmarkt aufgemacht, nennt sich Einrichtungshaus, das klingt nach mehr. In der Werbung schlagen die Superlative Purzelbäume, es dröhnt über alle Kanäle in die humanoiden Denkzentralen. „Superknaller- Hammer- Sonder- Eröffnungsangebote!“ Dem kann sich das Unterbewusstsein kaum entziehen. Wenn dann gerade auch noch Bedarf für die eigenen vier Wände besteht, hat der Psychoterror schon fast gewonnen.

Ein zusätzliches Sofa sollte es sein, also hin zu diesem Soforta oder wie der heißt. Schnell kommt eines in die engere Wahl und ehe genauer hingesehen werden kann, ist auch schon der Verkäufer, Herr J. da. „Jaa, Supi-Entscheidung, Supi-Qualität, Supi-Preis, begrenztes Angebot, sofort zuschlagen, alles supi…!“

Kunde lässt sich belatschern, möchte gern glauben, was da versprochen wird, schließlich braucht er das Ding. Kurze Sitz- und Liegeprobe – ok. gekauft. Mit Selbstabholung in drei Tagen, Lieferung würde den Schnäppcheneffekt zerstören, sagt Verkäufer J. Kämen dann schließlich Kosten dazu. „Wir rufen Sie an, wenn die Ware im Lager steht.“
Es vergehen drei Tage, vier… anderthalb Wochen ohne Anruf. „Bestimmt hab ich das falsch verstanden“, mutmaßt der Endverbraucher. Er schaut noch einmal auf den Kaufvertrag: Abholung ab drei Werktage nach Kaufdatum, steht dort. Also Freunde samt Transporter aktiviert und zum zweiten Mal zu Supporta oder wie der heißt.

„Ähm, oh, Ihre Couch, die ist nicht da, wurde noch gar nicht geordert, sorry. Was machen wir denn da?“ – „Rufen Sie bei Eintreffen an und liefern es frei Haus!“, schlägt der Kunde als Wiedergutmachung vor. So besprochen und vereinbart.
Weitere zehn Tage später – nix Anruf – nix Lieferung. Kunde hat Kreislauf! Dritter Sofa-Besuch bei Aorta oder wie der heißt. „Oh tut uns Leid, Computerfehler, in zwei Tagen, um 13 Uhr kommen wir aber wirklich!“. Zwei Tage später 15 Uhr – nix Anruf, nix Lieferung. Telefonische Nachfrage: „Ooh, Problem… kommen aber sofort…“
16 Uhr – das Wunder geschieht: Chaiselongue-Lieferung!
„Flupp“ macht es als die Transportateure die Beine anschrauben wollen. Die Gewinde rutschen auf Nimmerwiedersehen ins dunkle Innere des Sofas. Aufgrund der Konstruktion des Liegemöbels sind sie nicht mehr hervorzuholen. Es sei denn, man mache einen Schnitt in die Außenhülle, erklärt einer. Sofakäufer ist genervt.

Anruf bei Morta oder wie der heißt. „Nein, Austauschexemplar haben wir nicht, erst bestellen.“
– „Nein danke!“

Noch am selben Tag folgt der vierte Besuch im Einrichtungshaus. „Da hatte wohl jemand einen schlechten Tag“, sagt Verkäufer J. und aus seinen Worten klingt die Doppeldeutigkeit eines Vorwurfs gegen den angesäuerten Kunden. „Nee, da hatten wohl gleich mehrere Leute mehrere schlechte Tage und zwar bei Ihnen!“, so die Antwort. Die weitere Konversation mit Verkäufer J. verläuft einsilbig. Keine Entschuldigung, sondern Begleitung zur Kasse zwecks Geldrückzahlung und schon macht die Servicekraft kehrt, ohne Verabschiedung.
Kunde schwört sich: Das war der letzte Besuch bei Aborta oder wie der heißt.

Mit dem „zurückgewonnenen“ Geld geht er schön zum Essen in ein Restaurant, der Dopamin-Spiegel hebt sich wieder. Anschließend in den Tierladen und für den Hund ein „Sofa“ gekauft. Freundliche Verkäuferin, Sofortmitnahme, Qualität zum redlichen Preis. Wau wau, so geht guter Service!

 

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