Vor zwei Jahren wurde der CleanTech Business Park eingeweiht

Bisher gibt es nur ein Infozentrum

11.08.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn. Noch steht das futuristisch anmutende, quietschgrüne Informationscenter einsam am Eingang des künftigen Industrieparks. Obwohl der 90 Hektar große CleanTech Business Park (CTP) bereits am 3. September 2015 feierlich übergeben wurde, hat sich dort noch kein Unternehmen angesiedelt. Verhandelt mit potenziellen Interessenten wird bereits seit 2016 – ab 1. Januar des vergangenen Jahres durfte die Vermarktung beginnen. Schon Ex-Wirtschaftsstadtrat Christian Gräff (CDU) kündigte danach immer wieder erste mögliche Grundstücksverkäufe an, doch bis jetzt ist noch nichts passiert. Johannes Martin (CDU), sein Nachfolger im Amt, erklärte in der Juli-Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Marzahn-Hellersdorf auf eine Frage des Linken-Fraktionsvorsitzenden Bjoern Tielebein, man sei weiterhin in Verhandlungen. Doch erst bei einer Rückmeldung der Finanzverwaltung des Senats zu den betreffenden Grundstücken könne gehandelt werden.

Vergabe eines ersten Grundstücks beschlossen

Die Senatsfinanzverwaltung bestätigt auf Anfrage von LiMa+, dass jetzt die Vergabe eines Grundstückes beschlossen wurde. Über die Größe des Areals und den Käufer hüllt sich Sprecherin Eva Henkel in Schweigen – Vertragsverhandlungen sind erst dann abgeschlossen, wenn die Tinte unter den Dokumenten trocken ist. Zur Vergabe der Grundstücke im CleanTech Business Park wurde laut Henkel ein Koordinierungsgremium unter Leitung des verantwortlichen Bezirksamtsmitglieds (also Stadtrat Martin) sowie Vertretern der Wirtschafts- und Finanzverwaltung des Senats sowie der Berliner Wasserbetriebe eingerichtet. „Voraussetzung ist grundsätzlich eine Vergabeempfehlung der für Wirtschaft zuständigen Senatsverwaltung und der Beschluss des Koordinierungsgremiums“, so Henkel. Der Kaufvertrag werde der Finanzverwaltung zur Zustimmung und Prüfung vorgelegt. Die Beurkundung erfolge durch den Eigentümer, das Land Berlin, vertreten durch das Bezirksamt Marzahn, und die Berliner Wasserbetriebe. Das landeseigene Unternehmen hatte auf der Fläche das nicht mehr gebrauchte und daher abgerissene Klärwerk Falkenberg betrieben.

„Ungeduld ist nicht angezeigt“

Dass es zwei Jahre seit Fertigstellung des Geländes bis zum ersten unterschriftsreifen Vertrag dauert, ist für die Senatswirtschaftsverwaltung nichts Ungewöhnliches. Sprecher Matthias Borowski sagt, dass Ungeduld bei der Entwicklung des CleanTech Business Park nicht angezeigt sei. Dieser stelle die wichtigste, aktuell verfügbare Gewerbefläche für die Ansiedlung von Industrieunternehmen in Berlin dar. „Da bekanntlich die Flächenreserven in der wachsenden Stadt zunehmend schwinden, kommt dem Areal an der Bitterfelder Straße strategisch eine besondere Bedeutung zu.“ Der CleanTech Park solle sukzessive zu einem zukunftsfähigen Industriestandort mit klarem Profil, d.h. einer Schwerpunktsetzung auf Cleantech-Unternehmen entwickelt werden, so Borowski. Ein erfolgreiches Gewerbegebiet könne nicht in wenigen Jahren „aus dem Boden gestampft“ werden. „Auch ein Vorzeigestandort wie Adlershof hat 10 bis 20 Jahre benötigt, um zu einem gut funktionierenden, lebendigen Wirtschaftsstandort heranzuwachsen.“

Attraktives Angebot an Industrie- und Gewerbeflächen

Aus Sicht der Wirtschaftspolitik komme es auf die Qualität und die Nachhaltigkeit der Entwicklung an, nicht auf Geschwindigkeit, hebt Borowski hervor. „Ziel einer verantwortungsvollen Wirtschaftspolitik ist es, mittel- bis langfristig die Wirtschaftskraft des Lands Berlin durch gezielte Industrieansiedlungen dauerhaft zu stärken.“ Dafür brauche Berlin ein attraktives, kurzfristig einsetzbares Angebot an Industrie- und Gewerbegrundstücken, um im nationalen und internationalen Wettbewerb der Standorte um Ansiedlungen mit besonderem Struktureffekt bestehen zu können. „Genau dieses Angebot bietet der CleanTech Park Marzahn – und zwar nicht nur für die nächsten fünf Jahre, sondern auch deutlich darüber hinaus“, so der Sprecher der Wirtschaftsverwaltung.

2012 erster Spatenstich

Die Entwicklung des einstigen Klärwerksgeländes an der Bitterfelder Straße zur Industriepark-Fläche kostete rund 38 Millionen Euro. 2009 war ein Bebauungsplanverfahren eröffnet worden, im Juni 2012 erfolgte der erste Spatenstich. Insgesamt 226.000 Tonnen Abbruchmaterial fielen an. Aus den Abbrüchen der 63 Gebäude wurden 37.000 Kubikmeter Bauschutt abtransportiert, LiMa+ berichtete.

 

 

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