Ungewöhnliche Fotos mit kristallinen Mikrostrukturen

Bilder aus dem Kaffeeschaum

11.04.2017, Steffi Bey

FotoS. Steffi Bey Zum Vergrößern und für die Bildunterschriften bitte auf das Startbild klicken!

Hellersdorf. Frank Brückner ist jemand, der Menschen gerne verblüfft: Der Diplombiologe bringt sie zum Staunen und erntet meistens zustimmendes Kopfnicken. „Ach, so haben Sie das gemacht“, antworten viele, wenn er ihnen erklärt, wie seine ungewöhnlichen Fotografien entstehen. Seine Aufnahmen lassen in jedem Fall der Fantasie des Betrachters freien Lauf. Kräftige Farben in Blau-, Rot- und Gelbtönen wechseln sich mit strukturreichen Gebilden ab und dienen als Kontrast zu gut geformten Lebewesen. Zudem gibt der Hobbyfotograf jedem seiner Kunstwerke Namen. So weit so gut.

Einzigartige Ansichten

Das Verblüffende an Frank Brückners Fotografien ist das Ausgangsmaterial, aus dem er mit Hilfe eines Mikroskops einzigartige Ansichten kreiert. „Ich entdecke meine Motive in Suspensionen, in Schlieren im Kaffeeschaum und in kristallinen Substanzen wie Vitaminen, Wein- und Zitronensäure sowie Benzol“, sagt der Hellersdorfer.

In stundenlangen Experimenten erkundet er praktisch die unendliche Vielfalt und Faszination in der Welt kristalliner Mikrostrukturen. Auf die Idee kam er vor fast 20 Jahren, als er in einer Fachzeitschrift solche Fotos sah. „Es gefiel mir, aber ich habe gleich gedacht, dass kann ich besser“, erinnert er sich mit einem selbstbewussten Lächeln.

Test von Mikroskopen für das LKA

Allein die technischen Voraussetzungen, die er von Anfang an hatte, erleichterten ihm den Einstieg. Denn Brückner arbeitet beim Landeskriminalamt Brandenburg, untersucht dort unter anderem Textilfasern und Haare und muss manchmal neueste Mikroskope testen. Oft macht er das von zu Hause aus und stellt dann eben die Geräte sehr gründlich auf die Probe. Man muss sich das so vorstellen: Frank Brückner platziert beispielsweise Kaffeeschaum auf einer kleinen Glasscheibe, die er als Objektträger bezeichnet. Ganz in Ruhe betrachtet er alles durch das Mikroskop. Er schiebt die Scheibe ein Stückchen weiter und wiederholt das so lange, bis ihm das, was er da gerade sieht, gefällt. Der Fotoapparat, der direkt auf dem Mikroskop sitzt, wird ausgelöst und die Suche fortgeführt. „Für mich ist es wichtig, eine bestimmte Komposition zu finden, ich setzte das Material in Szene“, erklärt der Diplombiologe. Mit Licht, Polarisationsfiltern und Blenden schafft er wunderbare Illusionen.

Ägyptische Impressionen aus Harnstoff

Aus Harnstoff entwickelte er „Ägyptische Impressionen“ – eine gelb-orange-braunfarbige Ansicht, die an das Land der Pharaonen erinnert. Sein Werk mit dem Titel „Babyfisch“ entstand aus Vitamin C. Brückner löste es in Wasser auf, tauchte eine Zahnbürste hinein und rieb mit den Fingern über die Borsten. Beim Betrachten durch das Mikroskop erblickte er plötzlich eine Form, die ihn an einen farbenfrohen Fisch erinnerte. Aus einem kleinen Klecks Weinsäure schuf der Tüftler schließlich seinen „Blütentanz“. Wie eine Wiese mit Sommerblumen und unendlich vielen Schmetterlingen kommt dieses künstlerische Ensemble daher.

Er selbst ist immer wieder begeistert von seinen fantastischen Kreationen und der unendlichen Vielfalt der Mikrostrukturen. Oft sitzt er nächtelang am Wohnzimmertisch und experimentiert. Die besten Sachen gelingen ihm, wenn er „völlig unvoreingenommen“ herangeht. Erzwingen könne man ein ordentliches Ergebnis nicht.

Ausgewählte Exemplare auf Ausstellungen

Zwischen 500 und 600 gute Bilder, wie Brückner es formuliert, sind mittlerweile auf etwa 20 CDs gespeichert. Ausgewählte Exemplare präsentiert er hin und wieder auf Ausstellungen – auch in Marzahn-Hellersdorf. „Ich will Freude verbreiten und den Blick der Leute auf diese Art der Fotografie öffnen“, sagt Brückner. Gerne kommt er auch mit Interessierten ins Gespräch. Und erklärt dann, dass seine Motive in der Realität nur einen Quadratmillimeter groß sind und durch das Mikroskop 500-fach vergrößert werden.

Seiner Familie gefällt sein ausgefallenes Hobby ebenso. Deshalb hängen in der Hellersdorfer Wohnung jede Menge Fotografien mit kristallinen Mikrostrukturen.

 

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