Höffner-Eigentümer Kurt Krieger will neues Einrichtungshaus bauen

Bezirk wehrt sich gegen Giganten

03.07.2016, Marcel Gäding

Fotos: Marcel Gäding/ Birgitt Eltzel

Lichtenberg/Marzahn-Hellersdorf. Des einen Freud, des anderen Leid: Während der Bezirk Lichtenberg froh darüber ist, dass eine Brache an der Landsberger Allee mit zwei neuen Möbelhäusern bebaut wird, gibt es aus dem Nachbarbezirk Marzahn-Hellersdorf Protest. „Der Bebauungsplan in dieser Form ist völlig inakzeptabel“, sagt der Marzahn-Hellersdorfer Stadtentwicklungsstadtrat Christian Gräff (CDU).

Auf einer Fläche von 15 Hektar soll neben einem Möbel Höffner-Einrichtungshaus auch ein Sconto-Möbelmarkt entstehen. Dafür hatte die Unternehmensgruppe von Höffner-Eigentümer Kurt Krieger nicht nur das Grundstück des einstigen Möbel Max-Hauses, sondern auch die daneben liegende, am Globus-Baumarkt angrenzende Fläche erworben. Vom Möbel Max-Gebäude steht inzwischen nichts mehr. Und auch eine einstige Lagerhalle aus DDR-Zeiten neben dem Globus ist inzwischen abgerissen. Im Volksmund wurde sie liebevoll „Akropolis von Lichtenberg“ genannt.

Wie berichtet, möchte Krieger ein Höffner-Einrichtungshaus mit rund 50.000 Quadratmetern Verkaufsläche eröffnen, auf 7.000 Quadratmetern soll sich der Sconto-Möbelmarkt erstrecken. Pläne Kriegers, das Gelände an der Landsberger Allee zu nutzen, gibt es seit mehr als 25 Jahren. Weil er aber nie zum Zuge kam und Mitbewerber zunächst die Immobilien kauften, baute der bundesweit aktive Berliner Unternehmer zunächst an der Märkischen Allee in Marzahn. Jetzt, da Krieger Eigentümer der Flächen in Lichtenberg ist, soll der Marzahner Standort geschlossen werden.

Dem Bezirk Marzahn-Hellersdorf gehen die Pläne dann aber doch zu weit. Anfang Mai machte Stadtentwicklungsstadtrat Christian Gräff (CDU) seinem Ärger im sozialen Netzwerk Facebook Luft: „Merkwürdig und für unseren Bezirk nicht gut. Ich werde mich hier mit den Nachbarbezirken beraten, weil die vorliegenden Pläne für unseren Bezirk negative Auswirkungen haben können.“ Jetzt legt Gräff nach und sagt gegenüber LiMa+, er habe für den Bezirk im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens Widerspruch gegen Kriegers Pläne am Standort Lichtenberg eingelegt. „Was dort geplant ist, ist für die Region zu viel“, erklärt Gräff. Man müsse sich unter anderem sehr genau anschauen, wie stark der Anteil des sogenannten zentrenrelevanten Sortiments ist. Darunter fallen Waren, die nicht originär etwas mit Möbeln zu tun haben. Gräff befürchtet, dass Kaufkraft vor allem aus kleineren Kiezen wie der Marzahner Promenade oder dem Fennpfuhl abgezogen werde. „Das wird in jedem Fall Auswirkungen haben.“ Besonders ärgerlich ist für ihn der geplante 2.000 Quadratmeter große Gastronomiebereich bei Höffner.

Bezirk erwartet Baugenehmigung im Herbst
Durchaus nachvollziehbar findet Lichtenbergs Stadtentwicklungsstadtrat Wilfried Nünthel (CDU) die Kritik aus dem Nachbarbezirk. Allerdings verweist er darauf, dass der Standort an der Landsberger Allee im Rahmen des Stadtentwicklungsplanes „Einzelhandel“ als Fachmarktzentrum großflächig ausgewiesen sei. „Auch Marzahn-Hellersdorf war an diesem Plan beteiligt“, sagt Nünthel. Unter anderem sei in dem Planwerk geregelt, dass an der Landsberger Allee kein sogenannter großflächiger zentrenrelevanter Einzelhandel realisiert werden kann. „Dass sich jetzt Höffner entscheidet, aus dem Nachbarbezirk nach Lichtenberg zu ziehen, ist eine unternehmerische Entscheidung“, sagt Nünthel. Er glaubt auch nicht, dass das Ansiedlungsvorhaben negative Auswirkungen auf die kleineren Kieze haben wird. Seinen Angaben zufolge hat Höffner bereits einen Bauantrag gestellt. Nünthel geht davon aus, dass bereits im Herbst mit dem Bau der beiden Möbelmärkte begonnen werden kann, soweit „wir keine Sachverhalte finden, die dem Vorhaben entgegenstehen“. Nünthel sagt auch, dass das, was nach dem Gesetz her genehmigungsfähig ist, von der Behörde auch genehmigt werden müsse.

Bislang gab es zwischen Nünthel und seinem Kollegen Gräff keine persönlichen Gespräche, was die Ansiedlung der Möbelhäuser betrifft. Christian Gräff aber kündigte an, mit allen Beteiligten noch einmal über das Projekt sprechen zu wollen. Die Unternehmensgruppe von Kurt Krieger war trotz schriftlicher Nachfrage nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Damit bleibt zunächst unklar, wie es am Standort Marzahn nach dem Umzug von Höffner und Sconto weitergeht.

 

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