Was wird aus dem früheren Kino Sojus am Helene-Weigel-Platz?

Bezirk soll Ruine kaufen

29.10.2014, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel (1-4, 6,7), Klaus Tessmann (5)

Marzahn. Der charakteristische rote Schriftzug „Sojus“ mit dem Stern über dem „j“ ist noch dran. Doch das frühere Kino am Helene-Weigel-Platz verfällt immer mehr. Ein Berliner Unternehmer aus Pankow, der jetzt von Hartz-IV leben soll, hatte das 1981 gebaute Haus im Jahr 2007 erworben und das Kino geschlossen. Planungen des Eigentümers, die Immobilie an Handelsketten zu veräußern, scheiterten bisher. Nun wollen Linke und Piraten erreichen, dass der Bezirk das Grundstück und das Gebäude kauft. Mit einem Antrag im Bezirksparlament ersuchten sie das Bezirksamt zu prüfen, welche Möglichkeiten dafür bestehen. Sie wollen das alte Kino zu einem multifunktionalen Veranstaltungs- und Tagungsgebäude herrichten lassen.

„Die Immobilie des ehemaligen Kino Sojus ist ein wichtiger Bestandteil des östlichen Helene-Weigel-Platzes. Bisher bekannte Vorhaben des Eigentümers für einen Einzelhandelsstandort werden vom Bezirk äußerst kritisch betrachtet. Eine Entwicklung des Gebietes steht im direkten Zusammenhang mit der Zukunft dieser Immobilie. Ein Erhalt des Hauses sollte Vorrang haben“, erklärten die Vorsitzenden der Linken- und der Piratenfraktion, Bjoern Tielebein und Steffen Ostehr. Der Antrag wurde zunächst in den Kultur- und in den Hauptausschuss überwiesen.

Rathaus wird saniert
Der Vorschlag steht im Zusammenhang mit der geplanten Sanierung des Rathauses Marzahn. Das denkmalgeschützte Haus, eines von nur drei in der DDR gebauten Rathäusern, soll voraussichtlich 2016/2017 saniert werden. Im Zuge dieser Arbeiten wünschen sich die Bezirksverordneten auch den Bau eines Multifunktionssaals. Dort sollte dann unter anderem die Bezirksverordnetenversammlung tagen können. Nach dem Vorschlag der Linken und Piraten soll ein solcher Saal möglichst im früheren Kino entstehen. Beschlossen wurde bereits die Empfehlung, auch den ehemaligen Ratskeller in die Sanierungskonzeption aufzunehmen und dort gegebenenfalls die Einrichtung eines repräsentativen Orts für Kunst und Kultur zu prüfen. Der Ratskeller ist seit Ende der 1990er-Jahre dicht. Ins Gespräch gebracht hatte die Wiederbelebung des Ortes, der mit zahlreichen künstlerischen Werken ausgestattet ist, die Initiative „Kunstfreunde für Marzahn-Hellersdorf“. Diese veranstaltet seit 2013 sehenswerte Ausstellungen im Rathaus, seit kurzem ist die dritte dieser Expositionen dort zu sehen.

Alles hängt vom Geld ab
Als Rathaus gedient hat das Gebäude am Helene-Weigel-Platz nur von seiner Eröffnung im Jahr 1988 bis zur Bezirksfusion 2001. Derzeit haben dort nur noch die Fraktionen der BVV und das Stadtplanungsamt ihr Domizil. Ob die Wünsche der Bezirksverordneten für die geplante Sanierung des Hauses aufgehen, hängt vor allem vom Geld ab. Für die Arbeiten sind Fördermittel beim Land Berlin beantragt. Dass der Bezirk zusätzlich die Ruine des Kinos Sojus kauft, erscheint allerdings angesichts seiner aktuellen Finanzlage wenig wahrscheinlich. Schließlich musste Marzahn-Hellersdorfs Bürgermeister Stefan Komoß (SPD) erst Anfang Oktober eine Haushaltssperre verhängen, weil ein Haushaltsloch von rund 1,8 Millionen Euro entstanden war. Zudem wurde für das kommende Jahr ein Ergänzungsplan mit einer umfangreichen Streichliste beschlossen. Wegen Einsprüchen der Senatsfinanzverwaltung mussten für 2015 geplante Vorhaben um 782.000 Euro reduziert werden. Damit erhalten unter anderem die Schulen des Bezirks weniger Sachmittel, der bereits seit Mitte der 1990er-Jahre geplante Bau eines Brunnens im Gutspark Mahlsdorf wurde erneut gestrichen.

 

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden