Marzahn-Hellersdorf braucht Platz für Schulen und Kitas

Bezirk holt sich Immobilien zurück

26.07.2017, Marcel Gäding

Kein Zutritt, außer für den Bezirk: möglicher Schulstandort am Teterower Ring. Foto: Marcel Gäding

Marzahn-Hellersdorf. Weil die Zahl der Menschen in Marzahn-Hellersdorf steigt, wächst auch der Bedarf an Schulen und Kitas. Deshalb hat der Bezirk nun die Notbremse gezogen und Immobilien, die verkauft werden sollten, wieder in seine Zuständigkeit übernommen. Auf einigen Grundstücken sollen öffentliche Einrichtungen entstehen, andere werden für den Bau neuer Schulen und Kitas reserviert. Die für Immobilien zuständige Bezirksstadträtin Juliane Witt (Die Linke) spricht von einem Paradigmenwechsel. Wurden vor Jahren noch gute Geschäfte mit den landes- und bezirkseigenen Flächen gemacht, wird das bezirkliche Tafelsilber nun wie ein kleiner Schatz gehütet.

Jahrelang ließ sich mit bezirks- und landeseigenen Grundstücken in Berlin gutes Geld verdienen. Aus einer Antwort auf eine Anfrage im Berliner Abgeordnetenhaus geht hervor, dass von 2003 bis 2014 mehr als 900 Kaufverträge für landeseigene Grundstücke in Marzahn-Hellersdorf abgeschlossen wurden. Verkaufserlös: fast 110 Millionen Euro. 2015 verkaufte die landeseigene Berliner Immobilienmanagement, kurz BIM, noch 50 Flächen. Tendenz: fallend. Unter den angebotenen Grundstücken waren auch ehemalige Schul- und Kitastandorte. Diese wurden wegen sinkender Schüler- und Kitakinderzahlen nicht mehr benötigt, dem Erdboden gleich gemacht und schließlich an gewerbliche oder private Abnehmer verkauft. Für das klamme Land Berlin, das immer noch mehr als 60 Milliarden Euro Schulden hat, ein gutes Geschäft. Mit den Einnahmen aus Grundstücksverkäufen wurde ein kleiner Teil der Außenstände getilgt. Wer als Privatperson aber hofft, im Portfolio der BIM jetzt noch ein Baugrundstück auf dem ohnehin stark angespannten Immobilienmarkt zu finden, wird enttäuscht. Gerade einmal fünf Verkaufsangebote hat die BIM aktuell zu bieten – keines davon befindet sich in Marzahn-Hellersdorf. Was der Bezirk nicht an Flächen benötigt, geht an die Wohnungsbauunternehmen.

Junge Familien mit Bedarf an Kitas und Schulen

Aus der heutigen Sicht war der Verkauf der landeseigenen Grundstücke damals falsch, sagt Bezirksstadträtin Juliane Witt. „Ich persönlich hätte mir gewünscht, dass Kitas und Schulen stehen bleiben und man 15 Jahre abwartet.“ Denn: Inzwischen steigt die Zahl der Menschen im Bezirk rasant. Sie nahm innerhalb eines Jahres um 6.000 auf 262.000 zu. Umgerechnet macht dies die Zahl der Bewohner einer größeren brandenburgischen Kleinstadt aus. Witt geht davon aus, dass die Dynamik angesichts zahlreicher neuer Wohnungen, die im Bezirk entstehen, anhält. Da es sich bei den Zugezogenen meist um junge Familien handelt, steigt der Bedarf an Kita- und Schulplätzen. Dieser kann schon jetzt kaum noch gedeckt werden. „Unsere klare Strategie ist daher die Daseinsvorsorge“, sagt Witt. Denn mit dem Zuzug werde auch die notwendige Infrastruktur benötigt, zu der nicht nur Schulen und Kitas gehören, sondern auch Kultureinrichtungen, Bibliotheken und soziale Treffpunkte. Hinzu kommt, dass vorhandene öffentliche Gebäude dringend saniert werden müssen. Allein bei den Schulen gibt es einen Sanierungsbedarf von rund 241 Millionen Euro. Neu gebaut werden drei Schulen – darunter zwei am Habichtshorst in Biesdorf und nahe der Straße Alt-Mahlsdorf. Reaktiviert wird die 2009 geschlossene Schule in der Elsenstraße, ebenfalls in Mahlsdorf. Dort werden künftig Grundschüler unterrichtet. Wäre das Areal auf dem freien Immobilienmarkt verkauft worden, hätten sich vermutlich schnell Käufer in dem begehrten Einfamilienhausgebiet von Mahlsdorf gefunden. Insgesamt werden nach dem Schulentwicklungsplan des Bezirks aktuell zwölf Standorte für neue Schulen vorgehalten.

Reserveflächen für neue Schulen und Kitas

Auch Flächen, auf denen sich einst Schulen befanden, bleiben in Bezirkshand beziehungsweise gehen zurück in die Zuständigkeit der Bezirksverwaltung. Juliane Witt nennt dies „Flächensicherung“ – Reserven für weitere Schulen und Kitas. Dazu gehören Grundstücke am Teterower Ring oder der Garzauer Straße. Ob dadurch langfristig der wachsende Bedarf gedeckt werden kann, ist unklar. Konkrete Pläne, sogar Grundstücke zu erwerben, gibt es derzeit in Marzahn-Hellersdorf nicht.

Einen Paradigmenwechsel gibt es zudem beim Theater am Park. Das soll nun im Eigentum des Bezirkes bleiben. Die Ausschreibung, mit der ein neuer Eigentümer gesucht wurde, ist zunächst auf Eis gelegt. Auch das „rote Haus“, ein zuletzt als Beratungsstelle genutztes, leerstehendes Einfamilienhaus aus der Jahrhundertwende an der Landsberger Allee, verbleibt im Bezirk. Es war das erste Gebäude, das die Rote Armee am 22. April 1945 bei ihrem Einmarsch in das vom Krieg zerstörte Berlin passierte. Wann es für geschätzt 600.000 Euro saniert wird, hängt unter anderem auch vom Zeitpunkt einer neuerlichen Nutzung ab. „Wir sind derzeit intensiv auf der Suche nach einer geeigneten Verwendung“, sagt Witt. Pläne, es über die BIM an Dritte zu veräußern, sind damit vom Tisch.

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