Neuer Gewerbepark auf altem Postgelände an Frankfurter Allee 196

„Beste City-Lage“

06.02.2018, Birgitt Eltzel

Simulation: Marc Kocher Architekten (1), Fotos: Birgitt Eltzel (2-7)

Lichtenberg. Dass der holländische Investor Harry van Caem ein Näschen für gewinnträchtige Orte hat, hat er schon 2008 bewiesen, als er auf einer ehemaligen Mauerbrache zwischen Mitte und Kreuzberg Land erwarb, an dem damals noch niemand interessiert war. Jetzt steht dort eine Luxus-Residenz mit Edelwohnungen. Nun will van Caem ein bislang ungeordnetes Grundstück in Lichtenberg bebauen – das Areal Frankfurter Allee 196/Buchberger Straße 8A, 10,12. Auf dem früheren Postgelände, das er erworben hat, soll ein moderner Gewerbepark entstehen mit geschätzt 3.000 Büroarbeitsplätzen, vornehmlich in der IT-Branche. Das neue Gewerbegebiet könnte aber auch 5.000 Menschen Arbeit bieten, Coworking-Spaces und kooperierende Büros eingerechnet, so van Caems Architekt Marc Kocher, der das Projekt kürzlich im Stadtplanungsausschuss des Bezirksparlaments vorstellte.

“Hervorragend erschlossen”

Kocher, mit Büros in Zürich und Berlin (Marc Kocher Architekten), hat mit van Caem schon mehrere Projekte realisiert, darunter besagte Nobelwohnanlage Fellini Residences auf dem früheren Mauerstreifen. In Lichtenberg plant er für den Investor derzeit Wohnbauten an der Weißen Taube (ca. 1.000 Wohnungen mit öffentlichem Park) und an der Rhinstraße 139 (1.200 Wohnungen, Kita, Gewerbe). Dazu kommen soll nun der „Coppi-Park“, der das Gesicht des Gewerbegeländes zwischen Frankfurter Allee/Buchberger Straße/Albert-Hößler-Straße vollständig verändern soll. „Das ist beste City-Lage, hervorragend erschlossen“, schwärmt er.

Büroraum ist in Berlin knapp geworden

Büroraum ist in Berlin knapp geworden, nicht nur innerhalb des S-Bahnrings lassen sich derzeit gute Mieten erzielen. Laut dem Statistik-Portal Statista stiegen die durchschnittlichen Quadratmeterpreise bei Büromieten in der Hauptstadt von 10,76 Euro im Jahr 2009 auf 19,15 Euro im Jahr 2017. Es lohnt sich also, in diesem Marktumfeld zu investieren.

Sechs Neubauten, Bestand wird saniert

Laut Kocher sind auf dem etwa 34.194 Quadratmeter großen Grundstück in Lichtenberg, nur sieben U-Bahnstationen vom Alexanderplatz entfernt, sechs Neubauten geplant (sechs- bis siebengeschossig), das Bestandsgebäude nahe der Frankfurter Allee wird saniert (siehe Fotogalerie). 480 Pkw-Stellplätze in Tiefgaragen sind vorgesehen, oberirdisch soll es 20- Besucherstellplätze geben, dazu viel Grün überall auf dem Gelände.

Problem Verkehrssituation

Vor allem an der Verkehrssituation entzündete sich im Ausschuss, wie bereits in der Januar-BVV, die Diskussion. Denn befürchtet werden Konflikte mit den Anwohnern naher Wohnhäuser im Gebiet Frankfurter Allee Süd. Obwohl sich das von van Caem erworbene Areal in einem sogenannten 34er-Gebiet befindet (dort darf laut dem Paragrafen 34 nach dem Grundsatz Anpassung an die Umgebung gebaut werden), plädieren das Stadtplanungsamt und einige Verordnete für ein Bebauungsplanverfahren. Doch das dauert mindestens eineinhalb Jahre und damit weitaus länger als ein Genehmigungsverfahren nach Paragraf 34, das der Investor anstrebt. Schließlich ist Zeit Geld.

Es wird noch weiter diskutiert

Entschieden ist noch nichts. Die CDU forderte, das vereinfachte Baurecht nach Paragraf 34 anzuwenden, damit das Projekt „Coppi-Park“ schnellstmöglich realisiert werden kann. Die zuständige Stadtentwicklungs-Stadträtin Birgit Monteiro (SPD) deutete im Ausschuss jedoch an, dass sie ein B-Planverfahren als geeignetes Instrument sieht, um vorhandene Nutzungskonflikte im Vorfeld zu lösen. Prof. Dr. Jürgen Hofmann (Linke), der Ausschussvorsitzende, sagte: „Das Bezirksamt muss sorgfältig prüfen, das ist seine Pflicht.“ Die Debatte über den „Coppi-Park“ wird im Ausschuss und im Bezirksparlament noch weitergehen. Einig sind sich alle Fraktionen jedoch darüber, dass sie das Projekt begrüßen – wird doch damit eine bisher wenig ansehnliche und nicht effektiv genutzte innerstädtische Gewerbefläche in die Neuzeit transformiert.

 

 

 

 

 

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