Knorr-Bremse bringt weitere Arbeitsplätze nach Marzahn

Belegschaft seit 1993 verdreifacht

15.11.2016, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel Zum Vergrößern und Lesen der Bildunterschriften auf das Hauptbild klicken.

Marzahn. Mit rund 900 Mitarbeitern ist die Knorr-Bremse der größte industrielle Arbeitgeber in Marzahn-Hellersdorf. Bis Ende dieses Jahres wird die Belegschaft durch Verlagerung von Teilen der Fertigung aus dem Unternehmenssitz München um weitere 60 Arbeitsplätze aufgestockt. Im Georg-Knorr-Gewerbepark nahe der Landsberger Allee sind seit 1993 die drei Unternehmenstöchter des Konzerns vereint: Systeme für Schienenfahrzeuge GmbH, Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH und Hasse & Wrede GmbH. Der inhabergeführte Konzern (Eigentümer Heinz Hermann Thiele), international führender Anbieter von Bremssystemen für Schienen- und Nutzfahrzeuge, betreibt in Marzahn einen seiner modernsten Produktionsstandorte. Seit 1993 hat sich die Zahl der Beschäftigten dort verdreifacht.

Weltweit im Einsatz

5,831 Milliarden Euro betrug der Umsatz des Konzerns im Jahr 2015. Im Jahr 2011 waren es noch 4,241 Milliarden Euro. „Auch für 2016 wird wieder ein Rekordergebnis erwartet“, sagt André Janis, der Niederlassungsleiter Berlin der Knorr-Bremse Systeme für Schienenfahrzeuge GmbH. Bremsscheiben, die in der 35.000 Quadratmeter großen Werkhalle der Firma in Marzahn gefertigt werden, sind weltweit im Einsatz. Sie werden auf allen Kontinenten in Zügen aller Art – im Güter- und Regionalverkehr bis hin zu japanischen und schwedischen Hochgeschwindigkeitszügen –, aber auch in U- und Straßenbahnen eingesetzt.

Gut ausgebildete Mitarbeiter

Für Niederlassungsleiter Janis (44), der gleichzeitig Ansprechpartner der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) im Bezirk ist, hat Marzahn nicht nur wegen des großzügigen Industriegeländes im unternehmenseigenen Georg-Knorr-Gewerbepark einen Standortvorteil. „Wir haben hier sehr gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter“, sagt André Janis. „Fast alle kommen aus dem Bezirk oder der näheren Umgebung.“ Die Fluktuation sei äußert gering, weil sich die Mitarbeiter stark mit dem Unternehmen identifizierten. Für den Nachwuchs sorgt die Knorr-Bremse, die ausschließlich Facharbeiter in der Produktion beschäftigt, selbst. Jährlich werden laut Janis etwa 8 bis zehn neue Azubis – Mechatroniker und Zerspanungsmechaniker – eingestellt, die nach erfolgreichem Abschluss der Lehre in der Firma weiterbeschäftigt werden. Mehrfach bereits wurde das Unternehmen, das auch Mitglied im Marzahn-Hellersdorfer Wirtschaftskreis (MHWK) ist, mit dem Ausbildungspreis Marzahn-Hellersdorf geehrt.

TVO und Ortsumfahrung Ahrensfelde werden gebraucht

André Janis freut, dass sich das Marzahner Gewerbegebiet zunehmend mit interessanten Firmen füllt und mit dem CleanTech Business Park an der Bitterfelder Straße ein einzigartiger Industriepark für emissionsarmes produzierendes und verarbeitendes Gewerbe, für erneuerbare Energien, Mobilität und nachhaltige Wasserwirtschaft entsteht: „Das stärkt den Standort Berlin Eastside.“ Unter diesem Namen firmiert das größte Industrie- und Gewerbeareal der Hauptstadt, das sich über große Teile von Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg erstreckt. Noch nicht so zufrieden ist Janis allerdings noch mit der Verkehrsanbindung. Die Tangentiale Verbindung Ost (TVO) und die seit langem geplante Ortsumfahrung Ahrensfelde würden von den Unternehmen dringend benötigt, sagt er: „Es kommt schließlich darauf an, für Kunden, Zulieferer und Mitarbeiter gut erreichbar zu sein.“

Knorr-Bremse in Berlin

Die Knorr-Bremse wurde 1905 durch Georg Knorr in Berlin gegründet. Der Hauptsitz der Knorr-Bremse Aktiengesellschaft wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nach München verlagert. Das Unternehmen ist derzeit an mehr als 100 Standorten in 30 Ländern vertreten.

Die erste Fabrikation erfolgte in der Neuen Bahnhofstraße in Boxhagen-Rummelsburg, heute Friedrichshain. 1928 wurde das Hauptwerk an der nahegelegenen Hirschberger Straße in Lichtenberg errichtet. Die heutige Konzerntochter Hasse & Wrede bekam 1941/42 einen neuen Produktionsstandort in Marzahn, errichtet vom Hauptstab Albert Speers, Hitlers Architekten. Später war dort die Werkzeugmaschinenfabrik Marzahn ansässig.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurden die Standorte in Lichtenberg und Friedrichshain (zu DDR-Zeiten VEB Berliner Bremsenwerk bzw. VEB Messelektronik Berlin) aufgegeben, ab 1993 wurden die Aktivitäten des Unternehmens in Marzahn konzentriert.

Die Gebäude an der Georg-Knorr-Straße 4 in Marzahn wurden in den Jahren 2000 bis 2004 aufwändig denkmalgerecht saniert, fast 60 Millionen Euro wurden dafür verwandt. Im durch das Unternehmen selbst betriebenen Gewerbepark Georg Knorr sind außer den drei Konzerntöchtern 70 weitere Firmen aus Gewerbe, Handwerk und Dienstleistung ansässig.

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden