Kommentiert: Warum muss alles nur vom Feinsten sein?

Begrenzter Badespaß

10.03.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Lichtenberg/Marzahn-Hellersdorf. Als es am Freitag vergangener Woche (2. März) bei der „Langen Nacht der Politik“ im Lichtenberger Rathaus bei der Fraktion der Linken hieß „Baden Sie mit uns!“, hatte Annette Siering vom Vorstand der Berliner Bäderbetriebe (BBB) zunächst eine gute Nachricht parat: Das landeseigene Unternehmen hat eine Mini-Tarifreform gemacht. Seit 1. Februar gelten neue Preise, teilweise niedrigere als vorher. Bei etwa der Hälfte der Öffnungszeiten sind pro Erwachsenem jetzt 3,50 Euro zu zahlen, sonst 5,50 Euro (ermäßigt: mo bis fr 10-15 Uhr 2 Euro).

Keine 50 Prozent für die Öffentlichkeit

Doch das war schon das einzig wirklich Positive. Denn Annett Siering musste auch konstatieren, was viele Schwimmer in Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf aus eigener Erfahrung kennen: In der Region ist die Badefläche knapp. In den Schwimmhallen von Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf steht nicht mehr, so wie eigentlich in Berlin vorgesehen, 50 Prozent des Platzes der Öffentlichkeit zur Verfügung. Die Vereinsnutzung und das Schulschwimmen dominieren. „Das ist aber nicht Schuld der Vereine, sondern es zeigt, dass die Kapazitäten nicht ausreichen“, so Siering. Ein Konzept, das in absehbarer Zeit grundlegend zu ändern, haben die Bäderbetriebe bisher nicht. Es gibt zwar, durch den Koalitionsvertrag bestätigt, das Vorhaben, in Berlin sogenannte Multifunktionsbäder (Halle und Freifläche) zu bauen. Bisher sind diese rund 30 Millionen Euro teuren Badetempel aber nur in Marienfelde und Pankow vorgesehen. „Dazu gibt es einen Senatsbeschluss und eine Finanzierungszusage“, so Siering. Noch nicht verabschiedet haben sich laut der Vorstandsfrau die Bäderbetriebe von einem schon lange diskutierten Kombibad für Lichtenberg/Marzahn-Hellersdorf „in Höhe Tierpark“. Allerdings ist das weiterhin nur eine vage Idee, es gibt keine konkreten Planungen.

Skeptisch bei BVG-Bad

Dem Gedanken, das ehemalige BVG-Bad an der Siegfriedstraße wiederzubeleben, steht Siering skeptisch gegenüber. Denn die Ruine des seit mehr als 25 Jahren nicht mehr genutzten Freibades müsste zunächst abgerissen werden, dann ein neues Bad gebaut werden. Das kostet. Zudem reiche wohl die dort vorhandene Liegefläche nach der DIN-Norm nicht aus, meinte Siering. Bisher ist geplant, das alte Freibad zuzuschütten und dafür einen Kunstrasenplatz zu schaffen. Die Linken in Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf hatten die erneute Freibadnutzung ins Gespräch gebracht. Denn in beiden Bezirken gibt es lediglich ein öffentliches Freibad. Mehr als 500.000 Menschen leben dort, allein in den letzten zehn Jahren sind mehr als 40.000 neue Bewohner dazugekommen.

„Schaffen Sie die politischen Mehrheiten!“

Siering, die ihr Unternehmen lediglich als Bewirtschafter der Berliner Bäder sieht und vieles dementsprechend aus betriebswirtschaftlicher Sicht bewertet, hatte dennoch einen Rat zu bieten: „Schaffen Sie doch die politischen Mehrheiten für ein Freibad, wir bauen das dann gern.“ Gleiches gelte auch für ein Multifunktionsbad. Der Fraktionsvorsitzende der Linken, Norman Wolf, betonte daraufhin: „Wir bleiben dran.“

Geht es nicht eine Nummer kleiner?

Eine Meinung, der hier ausdrücklich beigepflichtet werden soll, vertrat Dr. Gabriele Hiller, in der vergangenen Legislaturperiode sportpolitische Sprecherin der Linken im Abgeordnetenhaus: Warum müssen es eigentlich teure Kombibäder für 30 Millionen Euro sein, wenn eine normale Schwimmhalle nur 10 Millionen Euro kostet? Abspecken teurer Pläne und etwas bodenständiger agieren, könnte auch unserer Auffassung nach die Probleme mangelnder Kapazitäten lösen. Es muss nicht alles vom Feinsten sein, Spaßbäder sollen Private bauen. Die öffentliche Hand ist dafür da, im Rahmen der Daseinsvorsorge für alle Berliner zu agieren. Dazu gehört auch, gute, bezahlbare Möglichkeiten für den Sport für jedermann zu schaffen. Die Diskussion zum Badespaß für alle in der unterversorgten Region Lichtenberg/Marzahn-Hellersdorf muss deshalb weitergehen.

Fürs Erste: Längere Öffnungszeiten!

Fürs Erste könnte man ja auch schon mal mit den Politikern darüber diskutieren, Geld bereitzustellen, um die Öffnungszeiten der bestehenden Bäder verlängern. Warum beispielsweise ist die Schwimmhalle Helmut Behrendt am Marzahner Helene-Weigel-Platz montags erst ab 12 Uhr geöffnet und macht sonnabends und sonntags bereits um 17 Uhr dicht?

 

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