Lebensmitteldiscounter will Wohnungen über seinem Markt bauen

Bald Wohnen bei Aldi?

04.04.2018, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel

Friedrichsfelde. Der Lebensmitteldiscounter Aldi will seinen bestehenden Markt an der Sewanstraße 259/Ecke Erieseering abreißen, die dazugehörige Parkplatzanlage entfernen und dann neu bauen. Entstehen soll aber nicht nur eine neue Verkaufseinrichtung. Vorgesehen ist die Einbindung des Lebensmittelmarktes in ein Gebäude mit 135 darüber befindlichen Wohnungen auf insgesamt sieben Etagen (sechs Wohnetagen). Das Gebäude soll zeilenartig in Nord-Süd-Stellung errichtet werden. An der nördlichen Seite des insgesamt 8.461 Quadratmeter großen Grundstücks könnte eine Grünanlage mit Kinderspielplatz entstehen. In der Nachbarschaft des Areals stehen bereits zehn- und elfgeschossige Wohnhäuser, auf der Westseite eine dreigeschossige Jugendfreizeiteinrichtung sowie Erziehungs- und Familienberatung.

Schatten simuliert

Die Oberkanten der vorgesehenen Gebäude lägen mit 24,5 Meter und 6,1 Meter deutlich unterhalb der angrenzenden Wohnbebauung, heißt es in der Begründung des Stadtentwicklungsamtes zum Vorhabenbezogenen Bebauungsplanverfahren. Eine Simulation bei „nach Norden abtreppender Bauweise“ erbrachte 2015, dass der Schatten des geplanten Neubaus „zu einigen Jahres- und Uhrzeiten“ im Schatten vorhandener Wohngebäude „untergeht“.

Vorhabenbezogenes Bebauungsplanverfahren

Die BGB Grundstücksgesellschaft Herten, die für Aldi Märkte baut und vermietet, ist die Eigentümerin des Grundstücks. Sie hatte im Januar 2017 den Antrag auf Einleitung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes beim Bezirksamt Lichtenberg gestellt, um das Bauvorhaben durchführen zu können. Am 12. Dezember 2017 wurde seine Aufstellung mit der Bezeichnung 11-126 VE beschlossen. Eine Bedingung für das Bauvorhaben ist, dass 30 Prozent der geplanten Wohnungs-Geschossfläche für Personen mit Wohnberechtigungsschein vorbehalten sein soll.

Wie groß darf die Verkaufsfläche werden?

Eigentlich wären hier nur Einzelhandelsbetriebe für die Versorgung des Wohngebiets mit einer Verkaufsfläche bis zu 800 Quadratmeter zulässig. In der Begründung zum Bebauungsplanverfahren durch das Stadtentwicklungsamt Lichtenberg heißt es jedoch: „Grundzug der Planung ist die überwiegende Unterbringung von Wohnungen sowie die Errichtung eines großflächigen Einzelhandelsbetriebs, dessen Verkaufsfläche auf 1.400 m² begrenzt werden soll.“

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen teilte schon mit, dass der bisher geplante Lebensmittelmarkt nicht nur der Nahversorgung diene und „Auswirkungen auf die Zentrenstruktur des Flächennutzungsplanes zu erwarten“ seien. Das Bebauungsplanverfahren müsse den Nachweis erbringen, dass negative Folgen für das benachbarte Ortsteilzentrum “Am Tierpark” ausgeschlossen werden. Um das Vorhaben dennoch verwirklichen zu können, ist das formulierte Ziel der Planung „das Festsetzen eines Sondergebietes für Wohnen und großflächigen Einzelhandel“.

Wohnen versus Klima?

Das ist aber nicht der einzige Haken. Im Stadtentwicklungsplan Klima des Senats von 2011 heißt es, das Plangebiet wird im „Hinblick auf die Wärmebelastung… Bereichen zugeordnet, die im Bestand tags und nachts bioklimatisch belastet sind und wo bis 2050 mit einem Zuwachs zu rechnen ist.“ Dort gebe es „prioritären Handlungsbedarf“ und „Potenzial zur Entsiegelung unbebauter Flächen“ zur bioklimatischen Entlastung. Inwieweit diese Ziele mit der geplanten Bebauung in Einklang zu bringen sind bzw. welche Ziele Priorität haben – Klima oder Wohnen – wird das Verfahren zeigen.

Öffentliche Einsicht- und Stellungnahme

Noch bis einschließlich 23. April liegt der aktuelle Bebauungsplanentwurf im Stadtentwicklungsamt, Fachbereich Stadtplanung, Alt-Friedrichsfelde 60, Haus 2, Raum 2.1304, zur öffentlichen Einsicht- und Stellungnahme aus. Die Öffnungszeiten sind: Montag bis Mittwoch von 8 bis 16 Uhr, Donnerstag von 8 bis 18 Uhr, Freitag von 8 bis 13 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung.
Telefon: 90 296 -6491.

Unter diesem Link >> ist er im Internet zu finden. Auch Stellungnahmen können online abgegeben werden.

 

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