Syrischer Bäcker bietet Spezialitäten in der Havemannstraße

Baklava aus Marzahn

03.05.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn. Es duftet nach frischem Teig und Pistazien, auf großen Backblechen liegen Baklava und andere orientalische Spezialitäten aus. In einer kleinen Schale auf dem Tresen stehen Kekse und kleine Kuchen bereit. „Probieren Sie“, sagt Farzand Kadro (50). Der gebürtige Kurde aus dem Gebiet von Afrin in Syrien ist stolz auf seine selbst hergestellten Backwaren und sein Geschäft. Ende Februar 2018 hat er in der Havemannstraße 4a nahe dem S-Bahnhof Ahrensfelde seinen kleinen Laden eröffnet. Dort bäckt er, dort verkauft er seine Süßigkeiten. Fast alle werden aus Nüssen und Pistazien hergestellt, Mehl und Honig kommen dazu. Und noch einige andere Zutaten, die Kadro aber nicht verrät. Betriebsgeheimnis.

Vor allem deutsche Kunden

„Yaro Syrische Spezialitäten“ steht in lateinischen Buchstaben auf dem Ladenschild am Eingang, dasselbe daneben noch einmal in arabischen Schriftzeichen. „Einen solchen Laden finden Sie in ganz Ost-Berlin nicht noch einmal“, sagt der Besitzer. Er hofft, dass sein Geschäft auch einmal so bekannt wird wie die Bäckerei „Damaskus“ in der Neuköllner Sonnenallee. Dort drängen sich die Kunden, müssen häufig Schlange stehen. Bei Farzand Kadro geht es ruhiger zu, viel ruhiger. Vielleicht, weil sein Spezialitätengeschäft noch nicht bekannt genug ist. Vielleicht, weil es zwischen einem vietnamesischen Blumenladen und einer kleinen Bar ziemlich versteckt liegt unter den Arkaden, die das nahe Havemann-Center ergänzen. Vielleicht aber auch, weil es im Umkreis nicht so viele Menschen gibt, die aus dem arabischen oder türkischen Kulturkreis kommen. Zwar befinden sich im Radius von etwa zwei Kilometern insgesamt fünf Unterkünfte für Geflüchtete. Vielen von diesen kommen aus Syrien. „Doch die Leute dort sind arm“, sagt Kadro. „Sie müssen jeden Cent zweimal umdrehen, da reicht es selten für Spezialitäten.“ Die Backwaren sind wegen ihrer teuren Zutaten und der Handarbeit nicht ganz billig – ein Kilogramm Baklava-Sera beispielsweise kostet 24 Euro, die überaus schmackhaften Walnuss-Kekse 16 Euro. Seine Kunden sind vor allem Deutsche, die die Süßigkeiten aus dem Urlaub oder aus dem Westteil Berlins kennen.

Süßes Vogelnest

Ein Vater mit seinem kleinen Sohn an der Hand betritt das Geschäft. Er nimmt Kekse mit, auch einige von den Vogelnest-Pistazien – ein filigranes Gebäck, das ein wenig aussieht wie zu einem Kranz geformte, dünne, glasierte Spaghetti mit kandierten Pistazien obendrauf. Der Mann sagt, er kenne das aus der Familie seines Schwiegervaters. „Schmeckt super, aber viel davon kann man nicht essen. Eins zum Espresso, das reicht.“ Farzand Kadro erzählt, dass in syrischen Haushalten immer Gebäck bereit steht. „Nicht nur bei Feiern und Festen, sondern auch für unerwartete Gäste.“

Hobby zum Beruf gemacht

Der untersetzte Mann mit den lebhaften braunen Augen, der von vielen “Maradona” genannt wird, weil er ein wenig dem argentinischen Ex-Fußballspieler ähnelt, lebt seit 1994 in Deutschland. In seiner alten Heimat habe er den Beruf eines Bankkaufmanns erlernt, erzählt Farzand Kadro, in Deutschland viele Jahre als Taxifahrer gearbeitet. „Ich habe immer gearbeitet und Steuern gezahlt“, betont er. Er habe schon immer gut und gern gekocht und gebacken, sagt der Vater dreier Kinder. „Nun habe ich meine Leidenschaft zum Beruf gemacht.“ Unterstützt wird er dabei von seiner Frau, die auch aus Syrien stammt, und die Backrezepte selbstverständlich ebenfalls kennt. Wenn es nicht klappe mit dem Geschäft, könne er wieder Taxi fahren, sagt Kadro. Den Taxischein habe er schließlich immer noch.

„Marzahn ist grün und ruhig“

Seit Anfang 2000 lebt Farzand Kadro in Berlin, seit August 2013 in Marzahn-West. Er liebe Marzahn, sagt er. „Es ist so schön grün und ruhig hier.“ Und es gebe wenig Kriminalität. „Es ist ein guter Ort zum Leben.“ Obwohl gerade der Nordwesten von Marzahn mit einem Ergebnis von rund 30 Prozent für die fremdenfeindliche AfD bei den Berlin-Wahlen 2016 Schlagzeilen machte, hat Kadro nach eigener Aussage dort noch keine Ausländerfeindlichkeit erlebt. „Die Leute sind nett und höflich“, sagt er. „ Ich bin ja auch nett und höflich zu ihnen.”

 

 

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