„Avenidas“ bleibt in Hellersdorf

28.03.2018, Birgitt Eltzel

Foto: Birgitt Eltzel

Hellersdorf. Das Gedicht „Avenidas“ von Eugen Gomringer bleibt in Hellersdorf: Die Wohnungsgenossenschaft Grüne Mitte e.G. will das Poem gut sichtbar an einer Fassade ihrer Wohnhäuser anbringen. Das bestätigte der Vorstand der Genossenschaft jetzt LiMa+. Das Gedicht, das seit 2012 auf der Fassade der Alice-Salomon-Hochschule (ASH) steht, hatte Unmut bei einigen, vor allem weiblichen, Studierenden erregt. Diese vermuteten Sexismus in den acht spanischen Zeilen und setzten eine formal-demokratische Debatte in Gang. Nach einer Entscheidung der Hochschule soll es nun im Herbst dieses Jahres von der Fassade entfernt werden. Das setzte eine breite Diskussion in Deutschland in Gang, das Vorgehen der Bildungsstätte war als „Bilderstürmerei“ und „Kulturbarbarei“ kritisiert worden. Auch international war darüber berichtet worden. In Marzahn-Hellersdorf hatte sich ebenfalls Widerstand geregt, wir berichteten. Unter anderem hatte die Bezirksverordnetenversammlung nach einem Antrag der CDU mehrheitlich für eine Prüfung gestimmt, ob das Gomringer-Gedicht an einem anderen Ort im Bezirk öffentlich und gut sichtbar angebracht werden kann. Die Genossenschaft Grüne Mitte hat diese Initiative nach Anregung von Genossenschaftsmitgliedern aufgegriffen. „Das Einverständnis von Herrn Gomringer liegt uns bereits vor“, hieß es. Wo und wann die Fassade mit „Avenidas“ gestaltet wird, werde sie zu gegebener Zeit mitteilen.

Klaus-Peter Rudolph, ein Genossenschaftsmitglied, hatte dem Vorstand in einem Brief, der in der nächsten Ausgabe der Genossenschaftszeitung erscheinen soll, u.a. geschrieben: „Es ist zwar nur ein Gedicht, das hier zur Disposition steht. Aber in Wirklichkeit geht es um mehr. Es geht darum, dass übergeschnappte Studentinnen in geifernder Weise unsere Kulturgesellschaft okkupieren und nach ihrem Willen umgestalten wollen. Steuern wir wieder auf eine ‚Entartete Kunst’ zu, diesmal unter Sexismus-Verdacht? Heute ein Gedicht, morgen vielleicht ein Film und übermorgen – verbrennen wir dann wieder Bücher? Wir Deutschen haben eine tragische Geschichte, aus der es viel zu lernen gibt! Ich bin dafür, dass das Gedicht in Hellersdorf bleibt. Deshalb möchte ich als Mitglied der Wohnungsgenossenschaft Grüne Mitte vorschlagen, dass wir eine gut sichtbare Wand finden, an der das Gedicht ‚Avenidas’ ein neues Zuhause bekommt. Vielleicht fällt es den hysterischen Studentinnen hier jeden Morgen auf dem Weg zu ihrer Hochschule ins Auge. Sie werden keine Chance haben, es noch einmal zu tilgen!“

Wer das Gedicht noch nicht kennt – es besteht aus nur wenigen Worten: „avenidas/ avenidas y flores / flores /flores y mujeres / avenidas / avenidas y mujeres / avenidas y flores y mujeres / y un admirador. Auf Deutsch heißt das: “Alleen / Alleen und Blumen / Blumen / Blumen und Frauen / Alleen / Alleen und Frauen/ Alleen und Blumen und Frauen / und ein Bewunderer“.

 

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