Handlungs- und Entwicklungskonzepte für die QM-Gebiete

Stärkung der Nachbarschaft

05.08.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn-Hellersdorf. Die Förderung von Bildung und guter Nachbarschaften, die Verbesserung des Wohnumfeldes und das Generieren von Arbeitsplätzen durch die Stärkung von örtlichem Handel und Gewerbe stehen im Fokus der Arbeit der jeweils zwei Quartiersmanagements in Marzahn und Hellersdorf. Das sehen die Integrierten Handlungs-und Entwicklungskonzepte für die Quartiersverfahren im Bezirk bis 2019 vor. Diese wurden vom Bezirksamt inzwischen bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen eingereicht und der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) zur Kenntnis gegeben. Dort werden sich nach der Sommerpause alle Ausschüsse (außer dem Rechnungsprüfungsausschuss) mit den Vorhaben beschäftigen.

Ziel: Bewohnerschaft aktivieren

Quartiersmanagements (QM) gibt es in der Hauptstadt seit 1999. Derzeit existieren in Berlin insgesamt 38 QM-Gebiete. In Marzahn-Hellersdorf sind es vier: Marzahn-Nordwest, Mehrower Allee, Hellersdorfer Promenade und als jüngstes (seit 2016) Boulevard Kastanienallee. Im Rahmen des Bund-Länderprogramms Soziale Stadt sollen durch Quartiersmanagements Stadtteile stabilisiert werden, die drohen, von der gesamtstädtischen Entwicklung abgehängt zu werden. Um ihr Potenzial zu entwickeln, wird die Bewohnerschaft dazu aktiviert, sich an der Weiterentwicklung ihres Kiezes zu beteiligen.

Nach wie vor schwierige Rahmenbedingungen

Nicht von ungefähr sind die QM-Gebiete jene mit den schwierigsten Sozialdaten in Marzahn-Hellersdorf: viele Menschen in prekären Lebenslagen, eine hohe Quote von Transferleistungsempfängern sowie bildungsfernen Einwohnern, die Kinderarmut liegt über dem Berliner Durchschnitt. Besonders zeigt sich das in Marzahn-Nordwest (23.459 Einwohner am 31.12. 2015, bereits seit 1999 QM-gefördert) und im Quartier um die Hellersdorfer Promenade (10.352 Einwohner 31.12.2015, seit 2005 QM-Gebiet, 2009 um weitere Straßenzüge erweitert). Trotz erfolgreicher Interventionen dort wie zahlreicher Angebote für Kinder und Jugendliche, der Arbeit von Stadtteilzentren und anderen Initiativen sowie der Verbesserung von öffentlichen Aufenthaltsmöglichkeiten im Kiez – in Marzahn-Nordwest beispielsweise im Seelgrabenpark und durch die Belebung des Barnimplatzes mit diversen Veranstaltungen, an der Hellersdorfer Promenade u.a. durch den Gemeinschaftsgarten Helle Oase – bestehen nach wie vor schwierige Rahmenbedingungen. Durch den Zuzug von Geflüchteten in Gemeinschaftseinrichtungen und von sozial schwachen Menschen aus der Innenstadt hat sich in den letzten beiden Jahren die Lage in den Quartieren verschärft. „Die Themen Integration, sozialer Frieden und Nachbarschaft“ rückten immer mehr in den Fokus des Handelns, konstatiert der Träger des QM Marzahn-Nordwest, die Kiek in – Soziale Dienste GmbH. Sowohl in Marzahn-Nordwest als auch im Gebiet um die Hellersdorfer Promenade errang die rechtspopulistische AfD bei den Berlin-Wahlen überdurchschnittlich hohe Wahlerfolge und zwei Direktmandate für das Abgeordnetenhaus.

Interkulturelle Öffnung und akzeptanzfördernde Maßnahmen

So wird es künftig einen Integrationsmanager im Rahmen des Projektes BENN (Berlin entwickelt neue Nachbarschaften) in den QM mit Gemeinschaftsunterkünften für Geflüchtete geben, zudem sollen sich die Einrichtungen und Angebote stärker interkulturell öffnen und besonders dem Zuzug von Menschen aus dem persischen und arabischen Raum Rechnung tragen. Einen weiteren Handlungsbedarf in Marzahn-Nordwest sieht die Kiek in GmbH in der Arbeit mit Eltern „zur Aktivierung und Erhöhung ihrer Erziehungskompetenzen“. Dazu könnten die Durchführung von Elternakademien beitragen, auch die Öffnung von Bildungseinrichtungen in den Stadtteil hinein. Die Umsetzung des bereits erfolgten Ansatzes der Entwicklung der Marcana-Schule in der Flämingstraße zur Quartiersschule bewertet das QM derzeit kritisch: Diese laufe Gefahr, aufgrund ihrer unmittelbaren Nachbarschaft zur Modularen Unterkunft für Flüchtlinge (MUF) an der Wittenberger Straße ihr Potenzial nicht abrufen zu können. „Stark rückläufige Anmeldezahlen sowie zunehmende Konflikte mit der Elternschaft machen zukünftig akzeptanzfördernde Maßnahmen erforderlich“, heißt es.

Angebote zur Begegnung

Auch das QM Hellersdorfer Promenade, getragen von der S.T.E.R.N. GmbH, macht darauf aufmerksam, dass das Thema des Zusammenwachsens von „alten“ und „neuen“ Bewohnern künftig einen größeren Stellenwert einnehmen muss. Seit 2016 befindet sich das sogenannte Tempohome in der Zossener Straße 138 in unmittelbarer Nachbarschaft zum Quartiersgebiet. „Um die Verständigung und die gegenseitige Toleranz zwischen der Bewohnerschaft und den geflüchteten Menschen zu fördern, müssen Angebote zur Begegnung und zur Förderung des Zusammenlebens … entwickelt und umgesetzt werden“, steht im Bericht des QM. Darüber hinaus müssten angesichts zunehmenden Rechtspopulismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus präventive Maßnahmen durchgeführt werden.

Die am 20. Juni beschlossene Vorlage zur Fortschreibung bzw. Erarbeitung des Integrierten Handlungs- und Entwicklungskonzepts für die Quartiersverfahren in Marzahn-Hellersdorf steht zum Download bereit.

 

 

 

 

 

 

 

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