Noch sechs Tage bis zur Eröffnung der IGA Berlin 2017

Auf dem Wolkenhain

08.04.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel (1-14), Emmanuele Contini (15-21) Zum Vergrößern und für die Bildtexte bitte das Startbild anklicken!

Marzahn-Hellersdorf. 118,50 Meter über NN ist der höchste Ort in Marzahn-Hellersdorf. Dieser befindet sich auf dem Plateau des Aussichtsbauwerks Wolkenhain, direkt auf dem Gipfel des 102 Meter hohen Kienbergs. Von dem 90 Meter langen Rundweg dort hat der Besucher eine Aussicht über ganz Berlin und auch weit nach Brandenburg. Der Wolkenhain, der nachts durch eine sogenannte transluszente Membran von innen her leuchtet, ist eine der Attraktionen der Internationalen Gartenausstellung (IGA) Berlin 2017, die am kommenden Donnerstag, 13. April, eröffnet wird. Zunächst mit einem Rundgang und einer Festveranstaltung mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, ab 13 Uhr dann für alle Gäste.

Nieselregen zur Pressevorstellung

Zur Pressevorbesichtigung am Freitag, 7. April, allerdings war der Wolkenhain, seinem Namen gerecht werdend, von einem bewölkten Himmel, aus dem es immer wieder tröpfelte, verhangen. Ein wenig Pech diesmal für die Fotografen, aber die IGA ist ja 186 Tage lang. Und das Aussichtsbauwerk, an dessen Fuß es auch ein kleines Café gibt, bleibt auch nach der Schau weiter bestehen. Abgeräumt werde nach der IGA so gut wie gar nichts, sagt Geschäftsführer Christoph Schmidt. Viele der Bauten in den „Gärten der Welt“ wie die drei großen Spielplätze, darunter beispielsweise der mit 6.000 Quadratmeter größte Wasserspielplatz der Hauptstadt, die 5.000 Gästen Platz bietende Freilichtbühne, das Empfangsgebäude und die Tropenhalle, sind dauerhaft angelegt. Auch die großen Schaukeln im Jelena-Santic-Friedenspark werden bleiben, ebenso die zum Kienberg führende Brücke. Weg kommt bis Frühjahr 2018 der Zaun, der das Schaugelände („Gärten der Welt“, Kienberg und Teile des Wuhletals) umgibt. Eingezäunt und kostenpflichtig werden dann nur noch, wie schon vorher, die „Gärten der Welt“ sein.

Wunsch: Seilbahn soll bleiben

Mindestens drei Jahre lang wird auch nach der Schau noch die privat finanzierte Seilbahn der Leitner AG bleiben. Marzahn-Hellersdorf Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke) sagt, sie habe schon von vielen den Wunsch gehört, dass diese ständig bestehen bleibe und künftig in das Nahverkehrsnetz der BVG eingespeist werde. Denn die Seilbahn (mit Halt auf dem Kienberg) biete immerhin die kürzeste Verbindung zwischen den Ortsteilen Marzahn und Hellersdorf. „Ich hoffe, dass sie so gut genutzt wird, dass der Senat gar nicht umhin kann, das zu tun“, sagt Pohle. Sie informiert gleichzeitig, dass der Bezirk im Rahmen einer Willkommenskampagne mit eigenen Aktivitäten zur IGA aufwarten wird: So gibt es am 27. Mai im Schlosspark Biesdorf ein Classic Picknick und am 2. Juni auf dem Hellersdorfer Fritz-Lang-Platz ein Classic-Open-Air-Konzert. Und in der ersten Juliwoche findet auf der Marzahner Promenade ein achttägiges Kunstfestival statt.

„Mir war es immer besonders wichtig, dass mit der IGA auch die Seilbahn kommt“, sagt Christian Gaebler, Staatssekretär und Aufsichtsratsvorsitzender der IGA Berlin 2017 GmbH. In der Tat ist die Fahrt mit der Seilbahn auch für Ortsansässige eine ganz neue Möglichkeit, den Naturraum Wuhletal und das Ausstellungsgelände zu erfahren. Einige der 64 Kabinen, die auch für Rollstühle, Rollatoren und Kinderwagen geeignet sind, haben einen Glasboden. Dadurch in die Wiesen und auch in die Baumwipfel zu schauen, das hat schon etwas ganz Besonderes. Die Seilbahnbenutzung ist im IGA-Ticket inbegriffen, man kann so oft und solange man will, damit fahren. Allerdings muss an den Endpunkten zunächst wieder ausgestiegen werden, um dann erneut einzuchecken.

Ort grüner Innovation

Umwelt- und Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) freut sich nicht nur über das umweltfreundliche Verkehrsmittel, dessen Hellersdorfer Station sich nur etwa 100 Meter entfernt vom U-Bahnhof „Kienberg – Gärten der Welt“ (U 5) befindet. Die IGA sei ein Ort, wo Neues ausprobiert werde, wo sich die Kulturen und Religionen der Welt treffen, wo Kinder lernen könnten, wie wichtig Umweltschutz und Nachhaltigkeit seien, wo moderne Architektur zeige, was sie kann. „Kurz: Ein Ort der grünen Innovation.“ Das Gartenfestival werde „sehr lange seine Spuren in Marzahn-Hellersdorf und in der ganzen Stadt hinterlassen“, sagt sie.

Zertifizierung auf Nachhaltigkeit

Jochen Sandner, Geschäftsführer der deutschen Bundesgartenbau-Gesellschaft mbH, verweist darauf, dass es 1951 der erste Bundesgartenschau (Buga) und 1953 die erste IGA gegeben habe. Diese Expositionen seien nicht nur eine Leistungsschau des Gartenbaus, sondern damit seien auch immer städtebauliche Aufgaben gelöst worden. Eine Innovation bringe die IGA Berlin 2017 mit der Entwicklung eines Zertifizierungssystems, das auf Nachhaltigkeit durch Nutzung, Finanzierung und spätere Pflege fokussiere. Gegenwärtig läuft die Bewertung der Maßnahmen von der Planung bis zur Durchführung, im Herbst soll das Ergebnis feststehen. Künftig sollen sich laut Sandner alle Gartenschauen in Deutschland einer solchen Überprüfung auf Nachhaltigkeit stellen.

Rund 8.000 Veranstaltungen

Rund 8.000 Veranstaltungen wird es während der Schau geben, informiert IGA-Geschäftsführerin Katharina Lohmann. Diese reichen von spektakulären Events wie der Aufführung von Carl Orffs Oper „Carmina Burana“ mit 100 Jugendlichen aus Marzahn-Hellersdorf oder dem traditionellen Kirschblütenfest, das diesmal gleich an zwei Tagen gefeiert wird (16. und 17. April) bis zu kleinen Formaten wie Joga oder Tanzen im Park. Und natürlich gibt es auch die verschiedensten Veranstaltungen rund um Blumen und Pflanzen –28 Wechselausstellungen in der Blumenhalle, aber auch Pflanzenberatung und Floristikvorführungen. Los geht es bereits am Eröffnungstag. Ab 18 Uhr treten in der Arena (Amphitheater) das Duo berge und die Flying Steps auf, gefolgt von der Band Karat. Der Tag endet mit einem Höhenfeuerwerk um 20.15 Uhr.

Zahlen und Fakten:

Finanzierung: Der Durchführungshaushalt der IGA Berlin 2017 beträgt 40 Millionen Euro. Davon sollen drei Viertel durch Besuchereinnahmen (Entritt, Merchandising usw.) gedeckt werden. Der Zuschuss des Landes Berlin beträgt 9,8 Millionen Euro. Der Investitionshaushalt beträgt 91 Millionen Euro, gedeckt durch EU-, Bundes- und Landesfördermittel. Davon wurden verschiedene Baumaßnahmen wie beispielsweise der Englische Garten realisiert. Hinzu kommen rund 16 Millionen Euro Umfeldinvestitionen sowie 25 Millionen private Investitionen, u.a. die ca. 14 Millionen Euro teure Seilbahn.

Das Ausstellungsgelände: Das IGA-Areal erstreckt sich auf rund 100 Hektar in Teilen des Wuhletals, auf dem Kienberg und in den „Gärten der Welt. Ein Highlight sind in letzteren die neuen internationalen Gartenkabinette, entworfen von führenden Landschaftsarchitekten aus allen fünf Kontinenten. Neu entstanden sind dort auch Wassergärten, ein englischer Landschaftsgarten, eine Tropenhalle, das Besucherzentrum und eine Freilichtbühne. Alle bleiben auch nach der IGA erhalten. Der Kienberg und angrenzende Gebiete des Wuhletals werden nach der Ausstellung zum öffentlichen Volkspark (kein Eintritt), die „Gärten der Welt“ bleiben eintrittspflichtig. Die IGA Berlin 2017 endet am 15. Oktober.

Anfahrt: Möglichst mit öffentlichen Verkehrsmitteln (U5 bis Station „Kienberg – Gärten der Welt“, dann mit der Seilbahn). Für Pkw wurde ein temporärer Parkplatz an der L33 (Berliner Straße/Louis-Lewin-Straße) eingerichtet, von dem regelmäßig ein Busshuttle zum IGA-Eingang verkehrt (ganztägig parken und Shuttle 7 Euro). Mehr als 200 Fahrradabstellplätze gibt es an den Haupteingängen. Angrenzende Wohngebiete sind temporär als Anliegerschutzzone ausgewiesen, das Ordnungsamt kontrolliert.

Gäste: Gerechnet wird an den 186 Ausstellungstagen mit rund 2 Millionen Besuchern. Etwa 9.000 Reisebusse steuern die IGA an. Rund 30.000 Kinder und Jugendliche werden im Rahmen des IGA-Campus, dem Umweltbildungsprogramm, erwartet. Dieses bietet neben buchbarem Mitmachunterricht und Ferienprogramm auch ein offenes Veranstaltungsangebot.

Essen & Trinken: 3.000 Plätze stehen in der Gastronomie auf dem gesamten Gelände bereit – von der britischen Teestunde im Cottage im Englischen Garten über Spezialitäten aus Übersee in der neuen Tropenhalle bis hin zu vielen weiteren kulinarischen Nationalitätenangeboten.

Eintritt: Tageskarte Erwachsene 20 Euro (ermäßigt 18 Euro). Berlinpass-Inhaber 10 Euro. Kinder bis 6 Jahre kostenfrei, Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 17 Jahren zahlen 5 Euro. Abendkarte ab 17 Uhr: 10 Euro. Dauerkarte 90 Euro, Dauerkarte Abend 45 Euro. Für einzelne Veranstaltungen in der Arena werden zusätzlich kostenpflichtige Platzkarten erforderlich. Geöffnet ist täglich von 9 Uhr (am Eröffnungstag ab 13 Uhr) bis zum Einbruch der Dunkelheit.

Weitere Informationen:
https://iga-berlin-2017.de

 

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