Arbeitslosenquote 7,5 Prozent, Zahl der Unternehmen stieg auf 20.955

Arbeitslosen-Zahl auf Tiefststand

06.12.2017, Marcel Gäding

Das Unternehmen dopa schafft Arbeitsplätze - und expandiert. Fotos: Marcel Gäding

Lichtenberg. Die Arbeitslosen-Zahl in Lichtenberg ist auf einem historischen Tiefstand: Ende November betrug die Arbeitslosenquote 7,5 Prozent. Umgerechnet waren rund 12.000 Menschen ohne Job. Innerhalb eines Jahres sank die Zahl damit um 2,1 Prozent. Grund ist die gute wirtschaftliche Lage, von der auch Lichtenberg profitiert. Doch Gelegenheit, sich auszuruhen, gibt es nicht, wie Jobcenter, Bezirk und Agentur für Arbeit am Dienstag (5. Dezember) im Rahmen eines Pressegespräches betonten.

Unternehmen auf Expansionskurs

Es läuft gut für das Lichtenberger Unternehmen des Jahres: Kaum ein halbes Jahr ist die dopa Entwicklungsgesellschaft für Oberflächenbearbeitungstechnologie mbh an ihrem neuen Standort, da muss schon angebaut werden. „Ich hoffe, dass wir im kommenden Jahr mit der Erweiterung beginnen können“, sagt Geschäftsführer Marcel Patraschkov. Das passende Grundstück an der Straße Zu den Krugwiesen hat das Unternehmen bereits gekauft.

Die „dopa“ entwickelt und fertigt Diamantwerkzeuge für Gläser und Kristalle. Abnehmer hat das vor 27 Jahren gegründete Familienunternehmen weltweit. Aktuell sind 49 Menschen in Lohn und Brot, darunter viele Quereinsteiger. „Bei uns findet man unter anderem Angestellte, die einst in Handyshops arbeiteten und nun Saphire schleifen“, berichtet Patraschkov stolz. Abnehmer findet die „dopa“ auf der ganzen Welt, darunter sind auch namhafte Konzerne.

Firmen klagen über Fach- und Arbeitskräftemangel

Unternehmen haben den Standort Lichtenberg offensichtlich für sich entdeckt. Denn ihre Zahl steigt nach Angaben von Wirtschaftsstadträtin Birgit Monteiro (SPD) stetig. Aktuell sind bei der Wirtschaftsförderung 20.955 Firmen erfasst. Allein Höffner habe am Standort Landsberger Allee 500 Arbeitsplätze geschaffen, unweit davon investierte IKEA in ein neues Customer Support Center mit 200 Stellen. Und gleich gegenüber von „dopa“ siedelte sich das Unternehmen „Greif“ mit einer Wäscherei an, die 250 Menschen Arbeit bietet. „Allerdings muss ich bei meinen regelmäßigen Betriebsbesuchen feststellen, dass die Firmen über Arbeits- und Fachkräftemangel klagen“, sagt Monteiro.

Die Agentur für Arbeit und das bezirkliche Jobcenter haben es daher deutlich schwerer, die Nachfrage von Unternehmen nach gut ausgebildeten Mitarbeitern zu befriedigen. Zum neuen Ausbildungsjahr ist die Zahl der freien Ausbildungsplätze in Lichtenberg von 2.000 auf 2.800 gestiegen. „Das zeigt, wie groß der Bedarf an Auszubildenden ist“, sagt Shirin Khabiri-Bohr, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Berlin Mitte. Es mangelt also nicht an Arbeit. Nach Auskunft von Jobcenter-Geschäftsführer Lutz Neumann suchen derzeit rund 12.000 Lichtenberger jedoch einen Job. Darunter sind allerdings viele Aspiranten mit sogenannten Vermittlungshemmnissen: Alleinerziehende, junge Leute ohne Schulabschluss, Geflüchtete oder Menschen mit Behinderung. Neumann berichtet zudem von einer hohen Anzahl derer, die Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben haben. Und dennoch: Mit viel Geduld gelinge es, auch diese Herausforderung zu meistern. Zwei Beispiele: Rund 300 geflüchtete Menschen konnten bereits in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden. Für 200 Langzeitarbeitslose – viele von ihnen waren im Schnitt elf Jahre ohne Arbeit – fanden sich ebenfalls Vollzeitstellen.

Alleinerziehende gezielt in Arbeit bringen

Bezirk und Jobcenter werden daher ihre Bemühungen, Menschen in Arbeit zu bringen, intensivieren. Ein Ziel: Die Agentur für Arbeit will mindestens 75 Prozent angehender Schulabgänger erreichen. „Wir möchten dem Trend der Akademisierung ein Stück weit entgegenwirken“, sagt Shirin Khabiri-Bohr. Heißt konkret: junge Menschen für handwerkliche Berufe begeistern. Für schwer zu vermittelnde Klienten werden die bereits angelaufenen individuellen Qualifikations- und Betreuungsangebote fortgesetzt. Deutlich stärker im Fokus werden Alleinerziehende stehen, wie Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) sagt. Der Bedarf ist groß: 34 Prozent aller Haushalte mit Kindern haben nur einen Elternteil daheim. Berlinweit steht der Bezirk damit nach Marzahn-Hellersdorf an Platz zwei. Besonders hoch ist der Anteil Alleinerziehender in Neu-Hohenschönhausen Nord – 45 Prozent. Das führe oft zu Armut oder Erwerbslosigkeit. Der Bezirk will daher mit gutem Beispiel vorangehen. „Ich lasse derzeit prüfen, ob im Bezirksamt eine Teilzeitausbildung möglich ist“, sagt Grunst. Außerdem sollen Alleinerziehende auf eine Art vom Amt finanzierte Nanny zurückgreifen können. Das Modellprojekt trägt den Namen „Flexible Kinderbetreuung“. Dafür wurde der Verein für ambulante Versorgung als Partner gewonnen. „Wir müssen schauen, dass bestimmte Rahmenbedingungen stimmen“, sagt Grunst. Dazu gehöre auch, dass in den 13 Ortsteilen Familienzentren eingerichtet werden und sich in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter gezielt mit Beratungsangeboten an Betroffene wenden.

 

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