Die Galerie im sanierten Schloss Biesdorf startet neu

Nächste Ausstellung: „Ankommen“

18.04.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Biesdorf. In Schloss Biesdorf wird gerade aus- und umgeräumt. Bis zum 8. April war dort noch die dritte und letzte Ausstellung zu sehen, die unter der Ägide des vormaligen Betreibers Grün Berlin gezeigt wurde. Weil letzterer seit der Wiedereröffnung der spätklassizistischen Turmvilla an der Bundesstraße 1/5 Alt Biesdorf glücklos und viel kritisiert agierte, letztlich den Betreibervertrag kündigte (wir berichteten), betreibt der Bezirk das Schloss seit Februar dieses Jahres in Eigenregie. „Schlossherrin“ ist Karin Scheel, die bisherige Leiterin der Galerie M in der Marzahner Promenade 46.

Erste “bezirkliche” Ausstellung um Blütenfest

Am 10. Mai, zu Himmelfahrt, und als Auftakt zum diesjährigen Biesdorfer Blütenfest, wird sie ihre erste Ausstellung in der Schloss-Galerie eröffnen. Diese trägt den auch programmatisch zu sehenden Titel „Ankommen“ – war doch das sogenannte Zentrum für Kunst und öffentlicher Raum (ZKR) der Grün Berlin nie wirklich in Biesdorf angekommen. Zu abgehoben, zu elitär, lauteten die Meinungen vieler Biesdorfer. Die Folge: Es gab nur wenige Besucher im Schloss, zumal für den Galeriebesuch Eintritt gezahlt werden musste. Jetzt ist dieser, wie in allen kommunalen Galerien, gratis.

EU-Fördermittel für Kunst aus Archiv Beeskow

Aber reicht das aus, um dem teuer sanierten Haus mehr Besucher zu bescheren? Mehr als zehn Millionen Euro waren geflossen, um das 1868 errichtete Gebäude im Biesdorfer Schlosspark wieder herzurichten. Viel wird wohl davon abhängen, was dort gezeigt wird. Fördermittel der Europäischen Union (EU) waren an die Bedingung geknüpft, dort Kunstwerke aus der Sammlung von Burg Beeskow zu präsentieren, die aus dem Nachlass von Parteien und Massenorganisationen der DDR stammen. 2011, nachdem die millionenschweren Mittel aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) bewilligt waren, hatte der damalige Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz, ein ausgewiesener Kenner der Szene, betont: „Eine Berliner Außenstelle der interessanten Sammlung Beeskow im vollständig wieder aufgebauten Schloss Biesdorf wird nicht nur die kulturtouristische Attraktivität des Bezirkes und Berlins erhöhen, sondern ein Gewinn für die gesamte Berliner Kulturlandschaft sein.“

Stilll und leise vom Konzept abgerückt

Doch schon in den Jahren danach war man still und leise, ziemlich unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit, von dem anfangs als „Galerie Bilderstreit“ bezeichneten Konzept abgerückt. Die Grundlage dafür bildete wohl ein weithin unbekanntes Gutachten über die Qualität der im Beeskower Archiv vorhandenen Kunst, das im Auftrag der drei Eigentümer-Länder Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2014 erstellt wurde. Darin wird eine Willkürlichkeit des Beeskower Archivs angemerkt, das anders als zum Beispiel das Museum Junge Kunst in Frankfurt(Oder) oder die Kunsthalle Rostock nicht über Jahrzehnte eigene Sammlungen von DDR-Kunst aufgebaut hat. „Kunsthistorisch gesehen lassen sich aus dem Bestand allein keine tragfähigen Aussagen zur bildenden Kunst in Ostdeutschland in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ableiten“, heißt es in dem Gutachten. Zudem sei der Kunstbestand der „Parteien und Massenorganisationen“ aus dem Besitz der drei Länder schon um „künstlerisch anspruchsvolle Werke“ ärmer gewesen, als er 1994 nach Beeskow kam – Museen, Galerien hatten sich zuvor aus dem „Sondervermögen Kunst“ der DDR bedienen dürfen. Von einem repräsentativen Querschnitt an Auftragskunst könne daher keine Rede sein. „Ohne Zweifel finden Forschende zur DDR-Geschichte im ‚Kunstarchiv’ reichhaltiges Material. Um jedoch ein umfassendes Bild von dieser (Kunst)Geschichte zeichnen zu können, müssen die Werke in den künstlerisch-historischen Kontext re-integriert werden. Das heißt, sie müssen vor dem Hintergrund der komplexen und durchaus widersprüchlichen Geschichte der Kunst in der DDR betrachtet werden. Anderenfalls würden sie einer ahistorischen Instrumentalisierung anheimfallen. Das würde beispielsweise geschehen, wenn im Schloss in Berlin-Biesdorf eine dauerhafte Präsentation von Beeskower Exponaten etabliert werden würde, die den zumeist touristischen Betrachtern suggerierte, dass es sich um einen Querschnitt der „DDR-Kunst“ handelt“, heißt es in dem 61-seitigen Papier.

Kaum öffentliche Debatten

Wie man Kunst aus Beeskow im Schloss präsentiert, welche Werke in welchen Zusammenhängen gezeigt werden, darüber wurde allerdings von den Verantwortlichen im Bezirk kaum öffentlich debattiert. So schien Beeskow bei den drei Expositionen von Grün Berlin lediglich als Feigenblatt herhalten zu müssen, ziemlich versteckt inmitten von Arbeiten internationaler moderner Künstler. Man musste ja dem Förderzweck der EU irgendwie gerecht werden. Der Senat allerdings macht deutlich, dass er den 2010 geschlossenen Kooperationsvertrag zwischen Beeskow und Schloss Biesdorf „keineswegs als überholt“ ansieht, wie aus einer Antwort von Daniel Bartsch, Sprecher der Kulturverwaltung, auf eine Anfrage von LiMa+ hervorgeht: „Es ist unsere Aufgabe, die wir ernst nehmen, darauf zu achten, dass der Vertrag erfüllt wird – dies in erster Linie auch deshalb, weil die EFRE-Fördermittel seinerzeit wegen des Kooperationsvertrages ausgereicht wurden.“

Man darf gespannt sein

Dass für die Exposition „Ankommen“ eine Sonderausstellung mit Grafiken aus dem Kunstarchiv Beeskow angekündigt ist, lässt zunächst hoffen. Man darf gespannt sein! Immerhin ist die Auseinandersetzung mit Kunst und Künstlern aus der DDR auch heute noch bei vielen Interessierten aus Ost und West gefragt – die Gästezahlen im Potsdamer Privatmuseum Barberini, das bis Anfang Februar Werke von 80 Künstlerinnen und Künstlern zeigte, die in der DDR entstanden, sprechen schließlich für sich.

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Leserkommentare

  1. Man darf gespannt sein
  2. Danke für den Artikel, ja, man darf in der Tat gespannt sein. Ich persönlich fand die Kritik am alten Betreiber sehr bedauerlich, und vielleicht wurde da auch die Meinung ein paar einzelner Biesdorfer hochgejazzt. Der Vorwurf “Zu abgehoben und elitär” sagt doch mehr über die Kritiker aus als über die Kuratoren. Letztere hatten das Ziel, anspruchsvolle Kunst auch außerhalb des Rings anzubieten und das mit dem “Zentrum Kunst im öffentlichen Raum” auch in ein stimmiges Gesamtkonzept eingebettet. Dass dieses Konzept in einem Gartenzaun-Bezirk wie Biesdorf ein Wagnis werden würde, war absehbar, aber dass es so schnell zu Ende seien würde…Ich hatte mich jedenfalls als MaHe-Bewohner über diesen Lichtblick jenseits des Heimat-Ölgemäldes gefreut und hoffe doch sehr, dass die neue Leitung bei einem hohen Anspruch bleibt.

  3. Wir sind auch gespannt. Mal sehen, ob der Bezirk das jetzt besser hinkriegt. Eins ist allerdings sicher: Das Haus kann kein bloßes Stadtteilzentrum mehr sein, sondern sollte schon überregional ausstrahlen.

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