Gedanken-Brösel zum Freitagfeierabend:

Angst ist ein schlechter Begleiter

27.01.2017, Mike Abramovici

Foto: Katrin Pohle

 



A
ngst und Freude gehen oft Hand in Hand. Was für die Einen gut ist, muss für die Anderen überhaupt nicht gut sein. Ich versuche mal, einen kleinen Blick über den eigenen Tellerrand auf meine Sicht der Dinge in der großen Politik zu werfen.

Nun ist er also da, der große blonde Präsident. Die Einen gucken mit Entsetzen. Und die Rechten von Deutschland, Holland, Frankreich, Polen, Slowenien freuen sich und glauben, dass ihre Stunde gekommen sei. Und die US-amerikanische Wirtschaft feiert. Er will die Krankenkasse abschaffen. Und eine Mauer bauen lassen – hurra, wie wunderbar, die DDR ist wieder da! Mühsam erkämpfte Umweltstandards werden aufgehoben. Banken werden dereguliert und können wieder spielen und spekulieren wie vorher. Gerade jene, die vor ein paar Jahren die Weltwirtschaft an den Rand einer Katastrophe geschoben haben, sollen nun wieder alle Freiheiten der Welt bekommen?

Und irgendwie denke ich, haben wir jetzt diesen sogenannten entfesselten Turbokapitalismus. Jetzt ist es gut möglich, dass wir auf das Chaos zusteuern, weil einige Gierige den Hals nicht voll genug kriegen. Aber vielleicht haben wir es auch nicht besser verdient, wenn wir es zulassen, dass gierige Kleingeister die Macht übernehmen und wir dann zurückkehren werden zu Nationalstaaten, die nur sich selbst im Blick haben? Und wir mit Scheuklappen vor den Augen wirklich in die Krise schlittern, da wir immer wieder auf Demagogen und Blender hereinfallen?

Man könnte einfach sagen, die Menschen sind die einzigen Spezies, die sehenden Auges ihrer Umwelt und sich selbst schaden. Vielleicht wird es passieren, dass die Menschen sich wieder in Nischen zurückziehen und sogenannte Parallelgesellschaften entstehen. Aber wir haben ja immer die Möglichkeit, das zu ändern. Es gibt schließlich oft genug Wahlen. Vielleicht schaffen wir es ja wirklich einmal, eine Gesellschaft zu bilden, die auf Freiheit, Brüderlichkeit, Menschlichkeit aufbaut, eine Gesellschaft, die nicht die Profit-Erwirtschaftung als Allheilmittel ansieht.

Also Kopf hoch und nicht die Hände! Finger aus dem Po und hoch von der Couch! Noch ist es nicht zu spät! Angst war schon immer ein schlechter Begleiter.
– Ist jedenfalls meine Meinung.

 

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