Alles Müll oder was?

10.09.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Vor einigen Wochen waren wir bei Verwandten in der Schweiz zu Besuch. In Zürich erschien alles wie geleckt. Kein Abfall lag in Parks und auf Gehwegen herum, die Hausmülltonnen vor dem Mietshaus unserer Gastgeber waren nur wenig gefüllt. Man trenne eben konsequent, wurde uns bedeutet. Nicht nur aus Umweltbewusstsein übrigens. Denn die vorgeschriebenen Säcke für den Restmüll muss man kaufen, es gibt keine BSR-Gebühr, die auf alle Mieter des Hauses oder Wohnblocks umgelegt wird. Wer also wenig Abfall produziert, spürt das an seiner Brieftasche. Übrigens auch derjenige, der in die Säcke packt, was anderswo hineingehört. Denn es werden konsequent Kontrollen gemacht. Und da jeder Sack eine Nummer hat, können Käufer, die sich als Umweltferkel betätigen, durchaus ausfindig gemacht werden. Das wird dann richtig teuer, erzählten uns die Verwandten.

Kippe wegwerfen: 1.000 Euro Strafe

Ähnliches hatten wir vor einigen Jahren auch schon in einem kleinen Touristenort in Irland erfahren. Allenthalben hingen dort Schilder, dass derjenige, der Zigarettenkippen achtlos auf den Boden schmeißt und erwischt wird, mit einer Strafe von 1.000 Euro belegt wird. Und die werde auch eingetrieben, versicherte uns der Wirt eines gut besuchten Pubs in dem Küstenstädtchen. Kippen sah man jedenfalls keine herumliegen.

Macht nichts, zahlen ja alle

In unserer kleinen Siedlung in Marzahn ist es, im Vergleich mit touristischen und anderen Hotspots in Berlin, noch relativ ordentlich. Jedenfalls, wenn man großzügig über die Häufchen hinwegsieht, die die Tiere mancher uneinsichtiger Hundebesitzer hinterlassen. Beim Müll sieht es anders aus. Auch in unserem Viertel wird in die Restmülltonnen gepackt, was nur so geht – Plastik und Flaschen finden sich zu Hauf. Obwohl die weder verrotten noch in der Müllverbrennungsanlage verfeuert werden können. Macht nichts, wenn die Müllmenge steigt, zahlen ja alle Mieter, mag sich mancher denken. Ein Nachbar, darauf angesprochen, dass er seine Flaschen nicht in dafür bereitstehende Iglus an der nächsten Kaufhalle bringt, sondern in der Mülltonne versenkt, konterte mit dem gern gebrauchten „Argument“, er zahle ja schließlich Steuern. Und überhaupt: Die Glastonnen, die früher direkt vor den Häusern standen, seien ja vor knapp drei Jahren auf Senatsbeschluss entfernt worden: „Da sollen die mal sehen, was sie jetzt davon haben.“ Dass er und seine Frau die ersten sind, die sich bei notwendigen Baumfällungen über Umweltfrevel erregen, sah er nicht als Gegensatz.

Sammlers Traum

Dabei kann man nur wenige hundert Meter von unserem Kiez entfernt lernen, warum man Müll trennen soll (am Besten natürlich vermeiden!) und dass sogar aus Abfall noch Nützliches entstehen kann. „Sammlers Traum“ heißt ein Projekt der BSR auf der IGA Berlin 2017 – drei witzige Häuschen aus Holz, die Dächer gedeckt mit Schindeln aus Altreifen und -plastik. Vogelhäuschen sind aus Tetrapaks, Blumenkübel aus silbern glänzenden Konservendosen verschiedener Größe – Nachmachen empfohlen. Wir haben uns schon so manche Anregung dort geholt.

Wer nicht hören kann, sollte fühlen…

Allerdings glauben wir nicht mehr so richtig an die Aufklärung. Dass die Erde inzwischen in Müll erstickt, weiß eigentlich jedes Kind. Weil aber viel zu wenig praktische Konsequenzen daraus gezogen werden, sind wir für eine Rosskur: Wer nicht hören will, muss fühlen. Was hindert uns eigentlich daran, Umweltsünder nicht nur zu agitieren, sondern richtig zur Kasse zu bitten? Man muss es ja nicht gleich so hart praktizieren wie in Singapur, wo sogar der Zustand von Pflanzen in Wohnräumen staatlicherseits kontrolliert wird, wie man uns berichtete. Ein bisschen Schweiz reichte wohl schon aus …

 

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