Staus, gesperrte Grundstückseinfahrten und kaum Infos

Ärger um Baustelle in Karlshorst

03.02.2018, Marcel Gäding

Schilder und Bauzäune, wohin das Auge sieht: Ab der Dorotheastraße ist die Treskowallee derzeit nur eingeschränkt befahrbar. Fotos: Marcel Gäding

Karlshorst. Die neue Dauerbaustelle auf der Treskowallee in Karlshorst wird zur Zerreißprobe für Anwohner und Gewerbetreibende. Besonders hart trifft es die Anlieger auf dem Abschnitt zwischen Dorotheastraße und Dönhoffstraße. Keines der Grundstücke in Richtung Bahnhof ist derzeit mit dem Auto erreichbar – mit verheerenden Folgen. Doch auch Anwohner müssen bis mindestens Mai kommenden Jahres erhebliche Einschränkungen hinnehmen.

Für den einen Fluch, für den anderen Segen: Seit Mittwoch sind Teile der Treskowallee Dauerbaustelle. Segen, weil mit dem Ende der Bauarbeiten vor allem das Nadelöhr unter der S-Bahnbrücke am Bahnhof Karlshorst aufgelöst wird. Fluch, weil sich Anwohner und Gewerbetreibende auf zahlreiche Unannehmlichkeiten einstellen müssen. Rund 24 Millionen Euro fließen in die ober- und unterirdischen Arbeiten. Das Geld wird in neue Leitungen, in die Sanierung von Teilen der Treskowallee, in Fuß- und Radwege sowie in neue Straßenbahngleise investiert. LiMa+ berichtete. Doch die Arbeiten sind komplex – und folgenreich. So wurde der Verkehr von vier auf zwei Spuren verengt. In Seitenstraßen herrscht teilweise komplettes Parkverbot – damit unter anderem umgeleitete BVG-Busse fahren können. Während es  nur im Berufsverkehr zu zähfließendem Verkehr kommt, müssen Anwohner nun lange nach einem Parkplatz suchen. Von der Treskowallee aus ist zudem das Abbiegen in viele Seitenstraßen nicht mehr möglich.

Besonders schlimm jedoch hat es die Gewerbetreibenden entlang der Baustelle in Karlshorst getroffen. Unter ihnen ist Roswitha Menzer, seit 1994 Betreiberin eines Reisebüros an der Treskowallee. Zwischen der Information über die Bauarbeiten und der Einrichtung der Baustelle verging keine Woche. „Dass etwas passieren muss, steht außer Frage“, sagt die Geschäftsfrau. Dass aber quasi über Nacht Bauzäune vor dem Geschäft aufgestellt wurden, überraschte sie und ihre Mitarbeiter dann doch. Das Reisebüro wie auch die anderen Läden und Wohnhäuser sind nur noch zu Fuß erreichbar. Lieferanten müssen ihre Fahrzeuge teilweise weit weg abstellen und Ware mit Sackkarren über die Baustelle bugsieren. „Der größte Schock für uns aber ist, dass die Arbeiten bis mindestens Mai 2019 dauern.” Damit ist aber noch lange nicht Schluss: Denn die Straße an sich wird erst 2020 neu gestaltet.

Anwohner wurden nicht optimal informiert

Viele Anwohner haben ihrem Ärger unter anderem in sozialen Netzwerken Luft gemacht. Aus der Sicht von Fabian Peter, Referent des für Verkehr zuständigen Bezirksstadtrats Wilfried Nünthel (CDU), durchaus nachvollziehbar. Das Problem: An welchen Stellen gesperrt wird und wo Umleitungen eingerichtet werden, entscheidet am Ende die Verkehrslenkung Berlin (VLB). Die jedoch fühlt sich nur bedingt zuständig und spielt den Ball an das Bezirksamt zurück. Das reagierte umgehend, nachdem viele Anrainer nicht mehr auf ihre Grundstücke kamen. „Im Grundsatz hat jeder Eigentümer einen Anspruch, auf sein Grundstück zu gelangen“, sagt Fabian Peter. Aber: Nur im Grundsatz. Stehen diesem Anspruch übergeordnete Interessen gegenüber, haben Anlieger das Nachsehen. Dennoch räumt Peter ein, dass die Betroffenen nicht optimal informiert wurden. „In diesem Punkt sehen wir Verbesserungsbedarf.“

Die Berliner Wasserbetriebe koordinieren die umfangreichen Arbeiten an der Baustelle in Karlshorst. Ihr Sprecher Stephan Natz sagt auf Nachfrage, dass es am 8. Januar eine gut besuchte Anwohnerversammlung gab. Dort, aber auch auf der Internetseite der Wasserbetriebe, sei über das Vorhaben informiert worden. Darüber hinaus gab das landeseigene Unternehmen entsprechende Pressemitteilungen heraus. Auf ein an jeden Betroffenen gerichtetes Anschreiben rund um die große Baustelle verzichtete man jedoch. Stattdessen verteilten Beauftragte der Wasserbetriebe Informationsblätter – unter anderem an Reisebürobetreiberin Roswitha Menzer. „Natürlich haben wir im Vorfeld die verschiedenen Interessen abgewogen“, sagt Natz. Auch habe es viele Gespräche und Planungsrunden gegeben. Ziel sei es, die Arbeiten so schnell wie möglich voranzutreiben – bei gutem Wetter soll daher auch am Sonnabend gebaggert werden.

Bezirksamt schlägt Infopavillon für Baustelle in Karlshorst vor

Unterdessen hat das Bezirksamt der Verkehrslenkung vorgeschlagen, dass ein Infopavillon aufgestellt wird, der an den Wochentagen besetzt sein soll. Stephan Natz hält davon wenig, „denn unser Bauleiter ist ohnehin oft vor Ort“. Über die verteilten Infozettel sei auch dessen Telefonnummer bekannt, um mit ihm direkt ins Gespräch zu kommen. Im Sommer ist zudem ein Tag der offenen Baustelle geplant.

Hoffnung können sich die Anwohner der Junker-Jörg-Straße machen: Das Bezirksamt will prüfen lassen, ob das dortige Parkverbot teilweise aufgehoben wird. Ursprünglich war vorgesehen, die Straße für Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr freizuhalten. „Hier werden wir noch einmal das Gespräch mit der Feuerwehr suchen“, kündigt Fabian Peter an. Erfreulich ist zudem, dass viele Autofahrer die Warnmeldungen im Radio ernst nehmen und die Treskowallee weiträumig umfahren. Lediglich im Berufsverkehr dauert es bis zu einer halben Stunde, die wenige Kilometer lange Strecke zu passieren. Der Megastau ist bislang aber ausgeblieben.

Informationen zur Dauerbaustelle Karlshorst gibt es auf der Internetseite der Berliner Wasserbetriebe.

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