Die Züge RE 7 und RB 14 könnten bald Nonstop durch Karlshorst fahren

Adieu Regionalbahnhof Karlshorst?

17.06.2017, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel. Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Karlshorst. Mit dem Wechsel zum Winterfahrplan in der Nacht vom Sonnabend, 9. auf Sonntag, 10. Dezember, wird am Bahnhof Karlshorst voraussichtlich zum vorerst letzten Mal regulär ein Regionalzug für den Ein- und Ausstieg der Fahrgäste halten. – Jedenfalls wird das der Fall sein, wenn es bei den derzeitigen Planungen der Deutschen Bahn AG bleibt, den Regionalbahnhof dann zu schließen.

Gleichzeitig soll der Regionalbahnsteig am Ostkreuz in Betrieb gehen. Fahrgäste zum Flughafen Schönefeld beispielsweise müssen dann also zunächst drei S-Bahnstationen in die entgegengesetzte Richtung fahren und dort umsteigen.

Mit der Direktverbindung der Regionalbahn sind sie hingegen ab Karlshorst in acht Minuten in Schönefeld. Viele Anwohner kommen mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit der Straßenbahn zum Bahnhof Karlshorst und lassen mittlerweile das Auto immer öfter stehen. Zur Wahrheit gehört aber genauso, dass die Köpenicker derzeit fünf Stationen Umweg bis zum Ostkreuz in Kauf nehmen müssen, wenn sie zum Airport wollen. Und auch in dem Nachbarbezirk werden viele neue Wohnungen gebaut.

Bei der Bahn wird noch überlegt

Von Seiten der Bahn heißt es, bezüglich Karlshorst überlege man noch. Wollte man Karlshorst als Regionalbahnhof offenhalten, müssten die Bahnsteige und die Zugänge aufwendig ausgebaut werden, denn die Bahnsteige entsprächen nicht mehr den Anforderungen. Zudem würden zu viele Zugstopps (Köpenick, Karlshorst, Ostkreuz, Ostbahnhof, Zoologischer Garten) die schnellere Fahrzeit in die City gegenüber der S-Bahn zunichtemachen. Das gelte auch für die umgekehrte Richtung zum Flughafen.

Der Ausbau des Bahnhofs Köpenick zum Regionalbahnhof scheint hingegen festzustehen. Nach mehreren Verzögerungen für den Baubeginn spricht der Konzernbeauftragte der Deutschen Bahn für Berlin, Alexander Kaczmarek, jedoch dort von einem Bauzeitraum 2022 bis 2026. Warum Karlshorst nicht zumindest so lange in Betrieb bleibt bis Köpenick fertig ist, erschließt sich kaum.

Auch der Senat denkt angestrengt nach

Direkten Einfluss auf die Bahn kann diesbezüglich einzig der Berliner Senat nehmen. Er bestellt Bahnhöfe, Bahnsteige und Zugstopps. In der Mai-Sitzung des Berliner Abgeordnetenhauses fragte der Lichtenberger Abgeordnete Danny Freymark (CDU) den Senat „…warum der Regionalbahnhof Karlshorst noch immer in der Diskussion einer Schließung steht“, obwohl sich das Parlament 2013 einstimmig für einen Weiterbetrieb zumindest bis zum Aufbau des Regionalbahnhofs Köpenick positioniert habe. Antwort der Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos): „Wir schauen es uns augenblicklich an. Wir sind in der Diskussion, aber an dem Beschluss hat sich natürlich nichts geändert.“ Es gebe unterschiedliche Interessen, einige wollten den Regionalbahnhof offenhalten, andere wollten ihn schließen. „Augenblicklich spricht nicht so viel dafür, die Situation zu ändern“, sagte die Senatorin.

Die Karlshorster machen Druck

Unter den Karlshorstern regt sich indes breiter Widerstand gegen die Schließung, auch angesichts zahlreicher Wohn-Neubauten und steigender Einwohnerzahlen. Es gibt Unterschriftensammlungen und Protestnoten, die von lokalen politischen Vertretern und vom Bezirksamt mitgetragen werden. „Wir haben uns mehrfach dafür stark gemacht, dass der Regionalbahnhof Karlshorst erhalten bleibt und wir versuchen weiter, auf allen Ebenen Druck aufzubauen“, sagte Lichtenbergs Verkehrsstadtrat Wilfried Nünthel (CDU) am Montag, 12. Juni, auf einer Einwohnerversammlung des Bürgervereins Karlshorst. Der Vereinsvorsitzende Dr. Andreas Köhler sagte, man wolle die Positionierung zu diesem Thema auch „zum Prüfstein bei den Lichtenberger Kandidaten zur Bundestagswahl machen.“

Die Züge sind voll

Gerade während der Rush Hour wird der Bahnhof Karlshorst stark frequentiert. Sowohl die S-Bahnen als auch die Regionalzüge sind rappelvoll. Viele Bewohner und Berufspendler nutzen die Züge des Regional-Express, RE 7 und der Regionalbahn RB 14, um schnell und ohne umzusteigen in die Innenstadt zu gelangen. Das ist umso vorteilhafter, weil die S-Bahn der Linie S3 schon jahrelang von Erkner nur bis zum Bahnhof Ostkreuz verkehrt. Wer mit der S-Bahn also weiter in Richtung Zentrum fahren möchte, muss hier in eine andere Linie umsteigen. Das nervt und kostet zusätzliche Zeit. Hinzu kommt, dass für den bevorstehenden Sommer Schienenersatzverkehr wegen Bauarbeiten zwischen Ostkreuz und Lichtenberg angekündigt ist. Erst später soll die S3 dann wieder durchgängig bis ins Stadtzentrum fahren.

Die Zeit drängt. Denn für den Fahrplanwechsel braucht es einen gewissen logistischen Vorlauf. So oder so muss bald eine Entscheidung her, anstatt das heiße Eisen zwischen Senat und Bahn AG hin und her zu schieben.

 

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