Zwischen Stadt und Land

Ab zur Jugendfeuerwehr!

06.08.2017, Marcel Gäding

Langeweile? Nicht bei der Jugendfeuerwehr. Fotos: Marcel Gäding (Zum Vergrößern der Fotos bitte auf das jeweilige Bild klicken)

Vor einigen Tagen, kurz vor Beginn der Sommerferien, tauchten vor unserem Büro in Marzahn drei Teenies auf: Mädchen in kurzen, knappen Hotpants und schlecht lackierten Fingernägeln hatten sich vor unserer Tür auf den Bordstein gesetzt. Jede von ihnen ein Smartphone in der Hand. Hin und wieder ging ihr Blick auf die andere Straßenseite. Die meiste Zeit aber waren sie damit beschäftigt, über den Bildschirm zu scrollen. Keine 24 Stunden später waren sie wieder da, dieses Mal zu sechst. Am Ende fanden wir den Grund für die Belagerung heraus. Im Tonstudio gegenüber war Lukas zu Gast: Einer dieser aalglatten Jungstars, der mal einen guten Platz in einer Castingshow belegte und nun der Schwarm zigtausender Mädels ist, von denen keine älter als 14 Jahre sein wird. Eine ganze Weile also lauerten die pubertierenden Mobiltelefonhalterinnen aus, um ihrem Idol ganz nah zu sein. So ein Teenie-Leben kann in der Großstadt ganz schön anstrengend sein. Immerhin haben die jungen Leute eine Beschäftigung. Ob diese sinnvoll ist, lassen wir mal außen vor.

Man ist ja geneigt zu fragen: Kinners, habt Ihr nichts Besseres zu tun? Und überlegt: Was haben wir in diesem Alter eigentlich gemacht? Nun, wir hatten keine Smartphones, sondern nur zwei staatliche DDR-Fernsehprogramme und ein paar TV-Kanäle aus dem Westen. Ein kleines Kofferradio, auf dem Rias2 lief. Nach der Schule haben wir am Flüsschen hinter unserem Dorf Flöße gebaut, sind auf Bäume geklettert oder haben an der Raststätte der Transitautobahn staunend die Autos aus dem Westen begafft. Alle zwei Wochen verbrachten wir einen Nachmittag in der Arbeitsgemeinschaft „Junge Brandschutzhelfer“. Rollten Schläuche aus, übten Löschangriffe und reinigten Unterflurhydranten vom Dreck der Straße. Eine schöne Zeit. Mit dem Umzug in die Stadt war das dann aber vorbei.

Vor wenigen Wochen wurden Erinnerungen an diese kurze Phase der Kindheit wieder wach. Im Nachbardorf wurde das Zeltlager der Jugendfeuerwehren aus unserer Region ausgerichtet. 60 Kinder, die Jüngsten gerade einmal sechs Jahre alt, verbrachten zwei spannende Tage miteinander. Nach lustigem Frühsport ging es in kleinen Mannschaften an verschiedene Stationen: Dort zeigten die Knirpse, wie man ein Feuerchen löscht, Knoten bindet oder verletzte Personen versorgt. Wie die Großen stellten sie sich in Reih und Glied gemäß der vorgeschriebenen Antrittsordnung auf, meldeten brav ihre Einsatzbereitschaft inklusive Gruppenstärke und nahmen den jeweiligen Befehl an der Station entgegen. Abends, die Kleinen waren schon im Bett, ging die Sirene. Auf einem Feld in der Nachbarschaft brannte es. Natürlich nur zu Übungszwecken. Keine 20 Minuten später war das Feuer gelöscht.

Von der Jugendfeuerwehr zu den „Großen“

Diese Art der Freizeitbeschäftigung gibt es auch in der Stadt. Nur wissen das wenige Eltern. Fast zeitgleich zum ländlichen Zeltlager übten Kinder und Jugendliche in der Wuhlheide, wie man Menschen aus einem verunglückten Zug rettet. Diese Nachwuchsarbeit, ob auf dem Dorf oder in Berlin, ist kein reiner Zeitvertreib. Viele Mitglieder der Jugendfeuerwehr sind später bestens vorbereitet, um als freiwillige Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner ihren Dienst zu versehen. Und wie wichtig es ist, auch in der Großstadt ehrenamtliche Einsatzkräfte zu haben, zeigen die Folgen von Starkregen, Gewitter und Sturm. Statt sich vorm Fernseher oder dem Smartphone zu lümmeln, unterstützten die „Freiwilligen“ die Hauptamtlichen dabei, die Alarme abzuarbeiten, Keller auszupumpen oder umgestürzte Bäume von der Straße zu holen. Dieses Engagement kann man eigentlich gar nicht oft genug loben.

Und wo wir gerade dabei sind, unseren Hut zu ziehen: Respekt und Anerkennung gilt auch den Männern und Frauen, die als Jugendwarte in unserer Gegend (und nicht nur dort!) mit großer Ernsthaftigkeit, aber auch jeder Menge Humor Kinder und Jugendliche ausbilden – und das in regelmäßigen Abständen. Wer mal ein solches Jugendzeltlager besucht hat (nur zu empfehlen!), weiß, wie viel Arbeit das macht, nicht nur in der Vorbereitung, sondern auch in der Umsetzung. Durchaus erwähnenswert ist auch, dass so etwas nur mit Unterstützung funktioniert. Danke, lieber Edeka-Markt Gradhand in Storkow, danke Torsten Pirke in Alt-Stahnsdorf vom Zeltverleih, danke Landhaus Schmidt in Kehrigk. Danke, liebe Stadtverwaltung in Storkow. Und danke, liebe Kameradinnen und Kameraden für Eure Zeit, die ihr Kindern und Jugendlichen widmet und dafür nach der Arbeit noch ein paar Stunden ranhängt. Danke Ihr Isabells, Detlefs, Joachims, Nicoles, Christians, Kays, Karolines, Danas, Ollis…

Eltern, die noch auf der Suche nach einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung für ihren Nachwuchs sind, rufen wir zu: Geht zur Jugendfeuerwehr!

In seiner Kolumne „Zwischen Stadt und Land“ blickt unser Autor, Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr (Dienstgrad: Feuerwehrmann, ausgebildeter Truppmann), auf sein Leben zwischen den Welten. Er wohnt in einem Dorf bei Storkow und arbeitet im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Denen zu danken, die sich ehrenamtlich für Kinder und Jugendliche in der Feuerwehr engagieren, empfindet er als längst überfällig.

Lesen Sie auch die bisherigen Kolumnen:

 

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