Drinnen + draußen

Ab geht die Post

11.02.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

„Denn bei der Post geht’s nicht so schnell, nur nicht gleich, nur nicht auf der Stell’, denn bei der Post geht’s nicht so schnell“ – selbst wem die Operette „Der Vogelhändler“ von Carl Zeller nichts sagt, kennt doch die „Christel von der Post“. Denn ihre Liedzeilen sind mehr als 120 Jahre nach Erstaufführung quasi zum Allgemeingut geworden. Basieren sie doch auf der Erfahrung mehrerer Generationen Mensch vor dem Schalter mit denen hinter dem Schalter.

„Wollen Sie den Stromanbieter wechseln?“

Doch um endlich im 21. Jahrhundert anzukommen, müsste Christel ihrem Lied inzwischen einen weiteren Refrain anfügen: „Doch eine Post findet man nicht so schnell, nur nicht gleich, nur nicht auf der Stell’. Und wenn man dann eine gefunden hat, geht’s dort nicht so schnell…“ Denn nachdem die Deutsche Post landauf, landab Tausende Filialen dichtgemacht hat und nur noch Postbanken mit angeschlossenem Paket- und Briefdienst unterhält, muss der Kunde weite Wege zurücklegen. Und in der Post kann von Schnelligkeit nun wirklich nicht die Rede sein. Schauen Sie einmal in eine der noch übriggebliebenen Filialen – lange Schlangen an nur wenigen geöffneten Schaltern. Denn die heutigen Christels müssen nicht nur Pakete und Briefe entgegennehmen und welche herausgeben, sondern sie beschäftigen sich auch mit Einzahlscheinen, Schecks und anderen Finanzdienstleistungen. Manchmal versuchen sie sogar, Kunden zum Wechsel ihres Stromanbieters zu veranlassen. Nicht ihre Idee, sondern die ihrer Chefs.

Schöne neue Service-Welt

Das alles wäre ja noch irgendwie zu verkraften, wenn es wenigstens Öffnungszeiten wie in Supermärkten geben würde. Aber Fehlanzeige, bei der Post werden nicht nur werktags oft eine bzw. eineinhalb Stunden Mittagspause mit Schließzeit eingelegt, sondern bis auf wenige Ausnahmen wird auch schon um 18 Uhr geschlossen. Schöne neue Service-Welt. Als ich an einem Sonnabend kurz vor dem Mittagessen bei der größten postalischen Einrichtung in Marzahn-Hellersdorf ein wichtiges Einschreiben aufgeben wollte, stand ich vor verschlossener Tür: Wochenende! Ab 12 Uhr ist dort samstags zu. Meinen Kram erledigen konnte ich dann zwar doch noch, aber woanders: bei einem sogenannten Postpartner im Einzelhandel. Der hat regulär am Samstag sogar bis 18 Uhr geöffnet und bietet bis zu dieser Uhrzeit natürlich auch seinen Postservice.

Wozu eigentlich, habe ich mich danach gefragt, braucht man dann noch die althergebrachte Post, wenn andere mit den gleichen Leistungen sehr viel kundenfreundlicher agieren? Damit, ob ich vielleicht meinen Stromanbieter wechseln will, wurde ich beim Postpartner übrigens auch nicht genervt.

 

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