Wieder 4.000 Einwohner mehr in Marzahn-Hellersdorf

7.000 neue Wohnungen in Planung

09.02.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn-Hellersdorf. Noch ist die amtliche Statistik des Jahres 2017 nicht offiziell, doch Marzahn-Hellersdorfs Bürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke) verkündete am Donnerstag, 8. Februar, zur Jahrespressekonferenz bereits einmal zwei Zahlen: Im vergangenen Jahr erhöhte sich die Einwohnerzahl um etwas über 4.000 Personen, insgesamt lebten damit bis Ende des Vorjahres deutlich mehr als 265.000 Einwohner im Bezirk. Wohnungen, vor allem solche mit günstigen Mieten, sind inzwischen knapp geworden, bei etlichen Wohnungsunternehmen herrscht derzeit Vollvermietung. Noch vor einem Jahrzehnt sah das anders aus, da waren wegen großen Leerstands mehr als 7.000 Plattenbauwohnungen abgerissen worden, dazu Schulen, Kitas und andere Einrichtung.

Mehr als 50 Prozent von den „Städtischen“

Nun muss neu gebaut werden, und das möglichst rasch, um dem wachsenden Bedarf gerecht zu werden. Laut Pohle kann für den Zeitraum 2018 bis 2021 die Erteilung von Baugenehmigungen für 7.000 Wohnungen prognostiziert werden. Während 2017 noch rund 1.000 Wohnungen fertiggestellt wurden, sollen es 2018 bereits rund 2.500 sein. Darunter sind u.a. die Ringelnatz-Siedlung Süd mit 299 Wohnungen, die Zossener/Mittenwalder Straße (214 Wohnungen) und die Louis-Lewin-Straße/Forster Straße (308 Wohnungen). Bis zu 4.000 Wohnungen werden bis 2021 von den städtischen Wohnungsbaugesellschaften errichtet. Deren neue Häuser werden 25 bis 50 Prozent geförderte Wohnungen erhalten – mit Mietpreisen zwischen 6,50 Euro nettokalt bis 8 Euro nettokalt je Quadratmeter.

Infoveranstaltungen für Anwohner

Beschlossen durch das Bezirksamt und die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) wurde, dass bei allen größeren Wohnungsbauvorhaben in der Regel Informationsveranstaltungen durchgeführt werden sollen. So wird es am 14. April eine Anwohner-Info zu dem geplanten Gesobau-Projekt an der Zossener Straße/Gut Hellersdorf geben. Dort sind zwischen 1.200 bis 1.250 Wohnungen geplant, dazu die erforderliche Infrastruktur mit Grün und Spielplätzen sowie Gewerbe, Gastronomie, Kultur und Kunst auf dem Gutsgelände.

Stellplatzbau gesetzlich nicht vorgeschrieben

Wie Pohle informierte, bemüht sich der Bezirk bei allen Neubauvorhaben darum, dass die Unternehmen auch Stellplätze für Pkw schaffen. Gesetzlich ist das bereits seit 2002 nicht mehr vorgeschrieben. „Wir beraten die Bauherren dahingehend, dass sie Pkw-Stellplätze mit einplanen“, sagte die Bürgermeisterin, die auch für den Bereich Stadtplanung zuständig ist. Dabei werde von einer Versorgungsquote von 0,5 ausgegangen, das heißt, auf zwei Wohnungen kommt ein Stellplatz. (Vor der Änderung der Berliner Bauordnung betrug die Quote 0,8.) Anweisen kann die Behörde das allerdings nicht, die Bauherren müssen freiwillig mitziehen. Dabei sind auch bisher nur selten praktizierte Abstellmöglichkeiten vorgesehen, in der Schkeuditzer Straße sollen beispielsweise Parkpaletten gebaut werden. „Auch wenn das nicht alle Autofahrer zufrieden stellt, bekommen wir so wenigstens eine Grundversorgung hin“, so Pohle.

Neues Infrastrukturkonzept

Weil neue Wohnungen auch neue Erfordernisse an die Infrastruktur stellen, dabei insbesondere den Neubau von Kitas und Schulen, hat der Bezirk im Jahr 2017 ein neues Konzept zur sozialen Infrastruktur auf der Basis der Bevölkerungsprognose 2015-2030 für Berlin erarbeitet, das noch im ersten Quartal 2018 durch das Bezirksamt und die BVV beschlossen werden soll. Dabei wurde, wie bereits im Infrastrukturkonzept von 2015, die Versorgung mit öffentlichen Grund- und Oberschulen, Kindertagesstätten, geförderten Jugendfreizeiteinrichtungen, Sportanlagen und Grünflächen und Spielplätzen untersucht. Außerdem wurden Volkshochschulen, Kultur- und Senioreneinrichtungen in die Betrachtung einbezogen. Das wenig überraschende Ergebnis: Für die wachsende und wieder jüngere Bevölkerung müssen zusätzliche Infrastrukturorte entwickelt werden.

Herausforderung Schulneubau

Eine Herausforderung ist der kurzfristige Neubau insbesondere für Grundschulen. „Die derzeitige Situation im Grundschulbereich ist angespannt“, bekannte Schulstadtrat Gordon Lemm (SPD). Das betreffe vor allem die Regionen Hellersdorf-Nord, Marzahn-Mitte, Biesdorf und Mahlsdorf/Kaulsdorf. Auf mittlere Sicht sei aber „eine Besserung zu erwarten“. Derzeit gibt es im Bezirk 23.385 Schüler. Sie lernen an 47 Schulen, davon 26 Grundschulen. Jeweils ein neuer Schulstandort soll zu den Jahren 2018/19 und 2019/20 eröffnet werden, mittelfristig werden an drei weiteren Standorten je eine Grundschule, eine Integrierte Sekundarschule und ein Gymnasium gebaut. Laut der Prognose des Schulentwicklungsplans 2017-2021 werden die Schülerzahlen in den Klassen 1 bis 6 (einschließlich 5. und 6. Klassen des Gymnasiums) bis zum Schuljahr 2021/22 um weitere zehn Prozent ansteigen.

 

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